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Substrat, Schneidengeometrie und Beschichtung bestimmen die Leistung eines Zerspanungswerkzeugs

Substrat, Schneidengeometrie und Beschichtung bestimmen die Leistung eines Zerspanungswerkzeugs

Werkzeughersteller Marena erklärt, wie technologische Zusammenarbeit den Unterschied in der Zerspanungsleistung macht

Marena, Spezialist für Hochleistungs-Zerspanungswerkzeuge, hat sein Wachstum durch kontinuierliche Innovation und enge Zusammenarbeit mit strategischen Technologiepartnern vorangetrieben. Im Rahmen der Einführung von BALINIT® OPTURA nahm das Unternehmen an frühen Tests teil und stärkte damit eine langjährige Zusammenarbeit mit Oerlikon Balzers bei der Entwicklung und Anwendung von Hochleistungsbeschichtungen. Im Interview gibt Mariano Gracia, Geschäftsführer von Marena, Einblicke auf aktuelle Herausforderungen der Branche und den Wert dieser strategischen Partnerschaft.

Mariano, könnten Sie uns kurz sagen, welche Position Sie bei Marena innehaben und was Ihre Aufgabe im Unternehmen ist?

Als Geschäftsführer von Marena begleite ich das Wachstum des Unternehmens und die Umsetzung unserer strategischen Ziele in der Herstellung von Zerspanungswerkzeugen – sowohl national als auch international.

Ich bin im Jahr 2000 zu Marena gekommen und leite das Unternehmen seit 2008. Dabei liegt mein Fokus klar auf der Optimierung von Prozessen und darauf, unsere Kunden produktiver, zuverlässiger und wirtschaftlicher zu machen.

Auf welche Industrien hat sich Marena spezialisiert und welche Branchen sind aktuell für Ihr Unternehmen besonders wichtig?

Marena entwickelt, fertigt und vertreibt Zerspanungswerkzeuge – sowohl Standardwerkzeuge aus unserem eigenen Katalog als auch Sonderwerkzeuge, die an die konkreten Anforderungen jedes Kunden angepasst sind.

Unsere Wurzeln liegen in der Fertigung von Sonderwerkzeugen für anspruchsvolle Branchen wie Automobil, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung. In den letzten zehn Jahren haben wir unser Standardportfolio deutlich ausgebaut. Dadurch können wir heute komplette technologische Lösungen anbieten – auf Basis einer Vertrauensbeziehung und eines intensiven Wissenstransfers mit dem Kunden.

Pedro Faro begrüßt auf der BIEMH 2026 Mariano Gracia und seinen Bruder Alejandro am Stand von Oerlikon Balzers. Gesprächsthema: die Rolle von Hochleistungsbeschichtungen in anspruchsvollen Zerspanungsprozessen. Copyright© David Recio, fotografo

Was unterscheidet Marena-Werkzeuge aus technischer Sicht – und wo bieten sie gegenüber Standardlösungen am Markt den größten Mehrwert?

Wir fertigen das gesamte Portfolio an Vollhartmetall-Werkzeugen: Fräser, Bohrer, Reibahlen sowie eine breite Palette an profilierten und gestuften Sonderwerkzeugen mit unterschiedlichen Durchmessern und Geometrien. Rund 95 % unserer Produktion basiert auf Hartmetall; bei Bedarf fertigen wir je nach Anwendung auch aus Schnellarbeitsstahl (HSS).

Im Automotive-Bereich verfügen wir über große Erfahrung mit Sonderbohrern und Hochleistungsfräsern für hohe Stückzahlen. In der Luft- und Raumfahrt arbeiten wir vor allem im Fräsen von thermisch hochbelastbaren Werkstoffen wie Titan oder CrNi-Superlegierungen. In den letzten Jahren verzeichnen wir zudem Zuwächse im Verteidigungssektor.

Unser entscheidender Unterschied gegenüber Standardlösungen liegt in der präzisen Anpassung jedes Werkzeugs an die konkrete Anwendung: Wir kombinieren Hartmetallsubstrat, Schneidengeometrie und Beschichtung, um stabilere, zuverlässigere und produktivere Zerspanungsprozesse zu erreichen.

Aus Ihrer Erfahrung: Was sind heute – unabhängig von der Branche – die größten Herausforderungen in Zerspanungsprozessen?

Heute ist die größte Herausforderung in der Zerspanung, stabile und robuste Prozesse sicherzustellen. Die Anforderungen neuer Werkstoffe und des Marktes – insbesondere hinsichtlich Anpassungsgeschwindigkeit, Fertigungspräzision und Kosten – zwingen dazu, mit hoch reproduzierbaren, präzisen und zuverlässigen Schneidengeometrien zu arbeiten.

Um das zu erreichen, müssen die drei wesentlichen „Säulen“ – Substrat, Schneidengeometrie und Beschichtung – optimal zusammenwirken. Die Qualität des Hartmetalls, die Präzision der Geometrie und eine leistungsfähige Beschichtung mit hoher Standzeit sind entscheidend, um die Erwartungen der Kunden zu erfüllen.

Ohne kontinuierliche Innovation bei Beschichtungen wäre es unmöglich, das Leistungsniveau zu halten, das die Industrie heute verlangt.

Sprechen wir über diese drei Faktoren – Substrat, Schneidengeometrie und Beschichtung: Was bedeutet jeder einzelne davon?

Das Substrat ist die Basis. Eine konsistente Bandbreite an Hartmetallsorten mit unterschiedlicher Härte und Zähigkeit – angepasst an die jeweilige Anwendung – ist entscheidend für stabile und reproduzierbare Zerspanungsprozesse.

Darauf aufbauend spielt die Werkzeug‑ bzw. Schneidengeometrie eine entscheidende Rolle. Ein geeignetes Design basiert auf einem tiefen Verständnis der Anwendung – von Maschine und Werkstoff über den jeweiligen Zerspanungsvorgang bis hin zu den eingestellten Prozessparametern. Nur so lässt sich dieses Wissen in präzise und prozessstabile Werkzeuggeometrien übersetzen.

Und schließlich die Beschichtung: Die richtige Beschichtung auszuwählen ist essenziell für die finale Werkzeugleistung. Dafür ist es entscheidend, auf Anbieter wie Oerlikon Balzers zurückgreifen zu können, die uns bei der Auswahl der passenden Beschichtung für die jeweilige Anwendung beraten.

Welche Rolle spielt Innovation für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Marena?

Innovation ist die Grundlage unserer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit. Wir investieren kontinuierlich in Maschinen, Mitarbeitende, interne Prozesse und die Entwicklung neuer Geometrien – nur so können wir uns als Hersteller von Zerspanungswerkzeugen weiterentwickeln.

Dabei spielt die Beschichtung eine Schlüsselrolle für die finale Werkzeugleistung. Wenn die genannten drei Faktoren ideal aufeinander abgestimmt sind, lassen sich optimale Ergebnisse hinsichtlich Leistung, Standzeit und Prozessstabilität erzielen. Deshalb setzen wir systematisch die neuesten Innovationen ein und beteiligen uns aktiv an Entwicklungsprozessen gemeinsam mit unseren Partnern.

Was erwartet Marena konkret von einem Technologiepartner wie Oerlikon Balzers – und warum geht diese Zusammenarbeit über eine klassische Kunden-Lieferanten-Beziehung hinaus?

Wir suchen Technologiepartner, die Know-how einbringen und im gleichen Innovationswettlauf sind wie wir. Für Marena geht es nicht nur darum, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu erhalten, sondern mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die neue Technologien entwickeln, Innovationen in den Markt bringen und verstehen, dass die Industrie Werkzeuge benötigt, die immer langlebiger, stabiler und effizienter werden.

In diesem Sinne arbeiten wir seit Jahrzehnten in enger Abstimmung mit Oerlikon Balzers zusammen und teilen eine gemeinsame Vision kontinuierlicher Verbesserung, die weit über eine klassische Kunden-Lieferanten-Beziehung hinausgeht.

Seit wann arbeitet Marena mit Oerlikon Balzers zusammen – und wie würden Sie Ihre Erfahrung in Bezug auf Service, Zusammenarbeit und technischen Support beschreiben?

Ich kannte Oerlikon Balzers schon bevor ich ins Berufsleben eingestiegen bin. Ich würde sagen, wir arbeiten seit den 1990er-Jahren zusammen – anfangs in kleinerem Umfang und deutlich intensiver seit etwa 2010 – 2012.

Die Zusammenarbeit ist geprägt von einer langjährigen und stabilen Partnerschaft: beide Unternehmen haben sich kontinuierlich weiterentwickelt und sind trotz herausfordernder Marktbedingungen erfolgreich geblieben. Besuche in den Beschichtungszentren von Oerlikon Balzers haben uns wertvolle Einblicke in Prozesse und technologische Entwicklungen ermöglicht und dazu beigetragen, unsere Zusammenarbeit auf Basis von Innovation, Mehrwert und kontinuierlicher Verbesserung weiter zu stärken.

Wie ergab sich die Möglichkeit, an den frühen Tests von BALINIT® OPTURA teilzunehmen?

Bei unseren Bohrwerkzeugen zeigte sich weiteres Verbesserungspotenzial. Substrate und Geometrien hatten wir bereits optimiert – entscheidend war nun eine Beschichtung, die zusätzlichen Mehrwert liefert.

Nach dem Austausch mit Oerlikon Balzers ergab sich für uns die Möglichkeit, an dieser Neuentwicklung mitzuwirken. Wir erhielten Muster, führten Vergleichstests durch und gaben Feedback. Die Erfahrung war sehr positiv und ermöglichte uns, uns bereits früh aktiv am Entwicklungsprozess zu beteiligen.

Was wollten Sie mit BALINIT® OPTURA verbessern – und welche Ergebnisse haben Sie in den Tests erzielt?

Unser Hauptziel war es, die Werkzeugstandzeit zu erhöhen. Mit den bisherigen Beschichtungen stießen wir an die Leistungsgrenze – insbesondere bei Spanabfuhr und Spanbildung –, die wir überwinden mussten.

Während der Tests mit BALINIT® OPTURA haben wir bei gleicher Geometrie eine deutliche Veränderung im Schnittverhalten und in der Spanführung gesehen. Das war ein klarer Beleg dafür, wie eine Beschichtung der neuesten Generation ein technisches Problem lösen kann.

Als Ergebnis erzielten wir eine klare Standzeitsteigerung, höhere Prozessstabilität und dadurch eine Reduzierung der Stückkosten. Außerdem schützte die hohe thermische Beständigkeit der Beschichtung die Schneide sogar in anspruchsvollen Anwendungen.

In welchen Anwendungen konnten Sie – oder Ihre Kunden – mit BALINIT® OPTURA die größten Leistungsgewinne erzielen?

Die größten Vorteile wurden beim Tieflochbohren erzielt, wo die Spanabfuhr besonders kritisch ist.

Darüber hinaus funktionierte BALINIT® OPTURA sehr gut für Standardanwendungen im Automobilbereich, in denen wir die Standzeit allein durch den Austausch der bisherigen Beschichtung deutlich steigern konnten.

Welche zentralen Trends erwarten Sie für die Zerspanungswerkzeugbranche in den kommenden Jahren, insbesondere im Kontext geopolitischer Entwicklungen und einer zunehmend angespannten Rohstoffversorgung?

Aktuell erleben wir ein komplexes Umfeld: Die Kosten für Hartmetall sind um 100 % bis 300 % gestiegen – eine beispiellose Entwicklung. Das zwingt uns dazu, Werkzeuge deutlich effizienter und langlebiger zu machen, um die Kosten pro Bauteil im Griff zu behalten.

Folglich benötigen wir Beschichtungen mit längerer Standzeit, optimierte Geometrien und kontinuierliche Innovation.

Wie trägt Oerlikon Balzers heute und in Zukunft dazu bei, Mehrwert für Marena zu schaffen?

Oerlikon Balzers ist ein zentraler strategischer Partner für Marena: Sie bieten zuverlässige Prozesse, niedrige Ausschussquoten, kontinuierlichen technischen Support sowie Zusammenarbeit bei Digitalisierung und Prozessintegration. Wir sind gemeinsam gewachsen – durch das Teilen von Informationen, Entwicklungen und Verbesserungen.

Einen Partner zu haben, der zu unserer Philosophie kontinuierlicher Verbesserung passt, ist entscheidend, um sowohl aktuelle als auch zukünftige Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Über Marena

Marena S.L. ist ein spanischer Hersteller von Zerspanungswerkzeugen mit Sitz in Zaragoza und einer Unternehmensgeschichte, die 1980 begann. Als Spezialist für die Entwicklung und Produktion von Hochleistungs-Lösungen für die Zerspanung arbeitet das Unternehmen eng mit seinen Kunden zusammen, um jedes Werkzeug präzise an die jeweilige Anwendung anzupassen.

Der Ansatz verbindet Prozess-Know-how, optimierte Werkzeuggeometrien und fortschrittliche Beschichtungstechnologien und trägt so dazu bei, Produktivität und industrielle Zuverlässigkeit zu erhöhen. Diese Arbeitsweise hat Marena als vertrauenswürdigen Technologiepartner in anspruchsvollen Branchen wie Automobil, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie Werkzeug- und Formenbau etabliert – mit einer kontinuierlich wachsenden internationalen Ausrichtung.

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