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Unsichtbare Helfer

Gasinnovationen fördern Reproduzierbarkeit und Industrialisierung

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Lindes Gasinnovationen verbessern die Reproduzierbarkeit und treiben die Industrialisierung der additiven Fertigung voran

Was hat Gas mit der additiven Fertigung zu tun? Sehr viel, sagen die Experten von Linde, einem der größten Industriegasproduzenten der Welt. Bereits 2016 erkannte Linde als erstes Unternehmen das Potenzial von Gas innerhalb der gesamten AM-Prozesskette. Christoph Laumen, der mit seinem Team AM-Lösungen entwickelt, sagt: „Es reicht von der Pulveratomisierung über den eigentlichen Druck- oder Erstellungsprozess bis hin zu sämtlichen Nachbehandlungsarbeiten.“

Um dieses enorme Potenzial auszuschöpfen, arbeitete Linde mit Unternehmen wie der Airbus Group zusammen. Dabei erkannte man, dass sich die Eigenschaften von AM-Materialien durch Aktivgase und eine Reihe von Durchflusscharakteristika beeinflussen lassen. Ursprünglich, erzählt Laumen, habe der Fokus dabei auf einer Anwendung gelegen, die es den Kunden ermöglichen sollte, „den Sauerstoffgehalt und die Feuchtigkeit im Pulverbett der Druckkammer besser zu messen und zu kontrollieren“. Das war entscheidend für reproduzierbare Ergebnisse, die wiederum zum Launch der ADDvance-Reihe an AM-Anwendungen führten.

So fing alles an. Nachdem immer mehr Kunden um Rat und Hilfe baten, wurde Laumen schnell bewusst, „dass nur wenige in diesem Bereich über unsere Kompetenz verfügen“. Die Eröffnung des Linde Global Development Center für additive Fertigung im Jahr 2016 war die logische Konsequenz. Laumen sagt: „Wir haben einen Entwicklungsfahrplan für die nächsten drei bis fünf Jahre mit über 30 Projektideen erstellt, die die Branche grundlegend verändern werden.“ Einige davon seien „wirklich visionär“.

Von der Inspiration zur Industrialisierung

„Wir sprechen hier von der zweiten und dritten AM-Generation“, erklärt Laumen, „andere Anwendungen können jedoch in naher Zukunft die Produktivität steigern und die Rückverfolgbarkeit sowie die Reproduzierbarkeit der Teile verbessern.“ Dabei hat sich Lindes Rolle im Bereich AM deutlich gewandelt. Über die Erfüllung der Kundenbedürfnisse hinaus hat das Unternehmen, so Laumen, „ein eigenes Verständnis entwickelt, wohin die Technologie geht, wie sie sich entwickeln wird und wie unsere Rolle dabei aussehen kann“. Das ermöglicht es Laumen und seinem Team, auf alle Kundenanfragen einzugehen, gleichzeitig aber auch weitere Innovationen voranzutreiben. Diese sollen die Industrialisierung forcieren und noch mehr Möglichkeiten für Partnerschaften bieten.

„Unser Fokus“, sagt Laumen, „liegt eindeutig auf maßgeschneiderten Gasgemischen für das Pulverbettverfahren und alle wesentlichen Legierungssysteme. Wir konzentrieren uns auf Titan und Aluminium, die Elemente, die in der Industrie aktuell am häufigsten verwendet werden.“ Geforscht werde aber auch in den Bereichen Gasmanagement, Rückführungskonzepte und Recyclingsysteme. Laumen sagt: „Damit diese Technologie für die Massenproduktion, beispielsweise in der Autoindustrie, verwendet werden kann, muss sie kostengünstiger werden. Wir möchten sicherstellen, dass die Technologie erschwinglich und für die breitere Industrie rentabel wird.“ Bis 2025 sollen zehn bis 15 der geplanten Projekte startbereit sein.

Vom Teilnehmer zum Partner der MTC

Obwohl Linde seinen eigenen Weg zur Innovation gefunden hat, legt das Unternehmen weiter großen Wert auf Industriepartnerschaften und Zusammenarbeit. „Kooperation hat bei Linde Tradition“, sagt Laumen, „das war stets unser bevorzugtes Modell. Man kann die Anforderungen der Endkunden nur dann ganz verstehen, wenn man Partner und Hauptkunden einbezieht. Oft erhöht das zudem die Agilität und beschleunigt die Markteinführung.“ Laumen ergänzt, dass die aktuellen AM-Partner von Linde „in ihren jeweiligen Bereichen führende globale Akteure“ seien und „eine Kultur der offenen Zusammenarbeit ohne allzu viele geschäftliche Einschränkungen begrüßen“.

All das hat zu Lindes Entscheidung beigetragen, einer der sieben Partner der zweiten Munich Technology Conference (MTC) zu werden. Die Veranstaltung wurde 2017 von Oerlikon ins Leben gerufen und soll eine Plattform schaffen, auf der Wissenschaftler, Hersteller und Politiker sich über die Integration von AM in die Produktionsprozesse austauschen können.

„Die MTC“, so Laumen, „hat letztes Jahr gezeigt, dass sie hochrangige Entscheidungsträger und Einflussnehmer zusammenbringen kann. Auch die aufgeschlossene Haltung und das gemeinsame Bestreben, AM zu einer großen und transformativen Sache zu machen, schätze ich persönlich sehr. Linde bezeichnet AM als einen der Wachstumsbereiche der Zukunft. Wir wollen sicherstellen, dass wir gut positioniert sind und die Entwicklung maßgeblich begleiten.“ Die zweite MTC in diesem Jahr bot Linde, wie Laumen versichert, „als Partner die Gelegenheit, noch genauer mit den Teilnehmern darüber zu sprechen, welche Einflussfaktoren und Herausforderungen im Bereich AM heute für sie am wichtigsten sind. Die Zusammenarbeit mit über 60 Personen in unserem Workshop war in der Tat großartig. Die Teilnehmer teilten offen ihre Erkenntnisse, um gemeinsam die Industrialisierung von AM voranzutreiben.“

 

Möglichkeiten fördern

Linde ist in drei Divisionen aufgeteilt (Industriegase & Medizinische Gase; Anlagenbau; Sonstige Aktivitäten). Gase als größte Division gliedert sich in drei geografische Segmente. Christoph Laumen leitet die Applikationsentwicklung für Europa, den Mittleren Osten und Afrika (EMEA). Sein Team umfasst 100 Ingenieure. „Es geht bei uns nicht nur um additive Fertigung“, sagt Laumen, „es geht um alle Bereiche, in denen Gas eine Rolle spielt. Wir haben ein ziemlich breites Fachwissen, aber am Ende läuft es immer auf eines hinaus: das Gas.“

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