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Auf der Schwelle zu einer neuen Ära

Interview mit TV-Journalistin Melinda Crane

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Die Juristin und Fernsehjournalistin Melinda Crane moderierte Oerlikons 1. Münchner Technologiekonferenz im Herbst 2017. Was sie dabei über Additive Manufacturing (AM) lernte, veränderte ihr Bild von modernen Fertigungsprozessen grundlegend.

Oerlikon MTC

Additive Fertigung? 3D-Druck? Melinda Crane hatte davon gehört, als sie die Einladung erhielt, im Herbst 2017 Oerlikons 1. Münchner Technologiekonferenz (MTC) zu moderieren. Doch worum es bei Additive Manufacturing (AM) konkret geht, wusste sie nicht. Bestenfalls „Laienkenntnisse“, so Crane, habe sie vor der 1. MTC beisteuern können. Nachher sah das grundlegend anders aus: „Ich kam zurück mit dem Gefühl, dass sich mir ein völlig neues Feld offenbart hatte.“

Als erfahrene Journalistin erkannte Crane schnell Potenzial und Kapazitäten dieser neuen, innovativen Fertigungsmethode; insbesondere wenn es um die Produktion von Kfz- und Flugzeugteilen geht. Für Crane sind sie allerdings nur der Beginn einer größeren, umfassenderen Entwicklung: „Wir sprechen hier über die Tatsache, Werkstoffe und Materialien auf eine völlig neue Art zu verwenden und herzustellen.“ Cranes Fazit: „Dies hat tiefgreifende Auswirkungen auf jede einzelne Phase der Wertschöpfungskette.“

Crane stellte in München darüber hinaus fest, dass sich bei AM nicht alles ausschließlich um die Produktion dreht. Auch Zertifizierungsprozesse und Qualitätskontrolle waren heftig diskutierte Themen. „In einigen Fällen“, sagt Crane, „sprechen wir sogar über Werkstoffe und Materialien mit vollkommen neuen Eigenschaften.“ Sie empfand diese Erkenntnis „absolut faszinierend“. Cranes Schlussfolgerung: „Man könnte sagen, wir stehen auf der Schwelle zu einer vollkommen neuen Ära, einer Revolution der angewandten Werkstoffwissenschaften.“

Melinda Crane ist Juristin und Wirtschaftswissenschaftlerin, und so ist es nur naheliegend, dass sie auch von den interdisziplinären Elementen der additiven Fertigung begeistert war. AM, glaubt Crane, „verschiebt die Grenzen zwischen Sektoren und akademischen Disziplinen“. Der systematische Ansatz, der sich daraus ergebe, könne gerade für Menschen wie sie – „die aus der alten Welt der Fertigung kommen“ – eine besondere Herausforderung darstellen.

Oerlikon MTC

Crane wird auch die 2. MTC moderieren, das am 11. und 12. Oktober 2018 stattfinden wird. Über Themen, Nachrichten und Neuheiten, die sich bis dahin ergeben und entfalten könnten, macht sie sich schon heute Gedanken. Mit besonderer Spannung verfolgt sie dabei die Entwicklung der Kosten. Crane sagt: „Bei der 1. MTC wurde deutlich, dass AM-Methoden sinnvoll sind, wenn man über sehr hochwertige Teile wie Düsentriebwerksteile spricht. Aber es wird dort noch bedeutende Weiterentwicklungen geben müssen, bevor dies zum Beispiel in der Autoindustrie insgesamt in großem Maßstab rentabel sein wird.“

Wenn es nach der Journalistin Melinda Crane geht, wäre eine der interessantesten Stories, „wie wir die Qualität von Kontrollen in diesem Bereich zertifizieren und wie wir Zertifizierungsprozesse und Qualitätssicherung neu denken müssen.“ Auch wenn sich dies nach einem, so Crane, „staubtrockenen Thema für Akademiker“ anhöre, sei es „in Wahrheit von entscheidender Bedeutung“. Auf der Konferenz erzählte ihr ein Teilnehmer von einem Flugzeugteil, das zwar entworfen und konstruiert war, aber nicht benutzt werden konnte. Niemand wusste, wie es bei einer Zertifizierung genehmigt und freigegeben werden sollte.

Crane sagt, sie freue sich schon sehr auf die nächste MTC. Sie wolle möglichst schnell möglichst viel über die additive Fertigung und ihre Hintergründe erfahren. Schließlich stelle diese jede Menge Geschäftsmodelle infrage. Als Journalistin, die häufig über Wirtschaftspolitik schreibt, will sie „mehr darüber hören, nicht zuletzt auch, wie die verschiedenen Interessengruppen zusammenarbeiten können, um diese wirklich aufregende Technologie voranzubringen“.

Daraus ergibt sich für Crane aber auch eine richtungsweisende Frage: „Welchen Anstoß brauchen Hochschulen und Entscheidungsträger, um diese Sache wirklich voranzubringen? Und welche Anstöße müssen sie selbst geben?“ Die Frage greift die zentrale Idee der MTC auf, bei der Vertreter von Industrie, Wissenschaft, Hochschulen, Politik und Berufsverbänden Informationen austauschen und Partnerschaften eingehen sollen. Bei Oerlikon, dem Gastgeber der MTC, blickt man auch deswegen sehr optimistisch auf die künftige Zusammenarbeit mit Melinda Crane.

Von Randy B. Hecht und Gerhard Waldherr

Oerlikon MTC

Melinda Crane, die in den USA geboren wurde, lebt und arbeitet in Deutschland. Seit 2010 ist sie Chefkorrespondentin für Politik (Chief Political Correspondent) des Fernsehsenders Deutsche Welle. Darüber hinaus arbeitet sie als Konferenzmoderatorin. Crane erwarb ihren Abschluss in Rechtswissenschaften (Juris Doctor/JD) an der Harvard Law School und ihren Doktortitel (Ph. D) in Politischer Ökonomie an der Fletcher School of Law and Diplomacy der Tufts University.

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