Zurück zur Stories Übersicht

Das Geheimnis reibungsloser Schönheit und Präzision

Was hat eine Beschichtung mit der Genauigkeit einer Uhr zu tun?

print

Seit Jahrhunderten sind Schweizer Uhren ein Synonym für Ästhetik, Luxus und Präzision. Um ihren Ruf und die Führungsposition in der Branche zu verteidigen, nutzen Schweizer Uhrmacher innovative Beschichtungen zur Optimierung von Funktionalität, Genauigkeit und Aussehen.

Autoren: Erik Sherman und Gerhard Waldherr

Tick Tock

Design und Funktionalität schließen sich häufig aus. Bei Schweizer Armbanduhren verschmelzen sie dagegen zu einer faszinierenden Einheit. Mit der Symbiose aus Stil, Design und Wert, die sie verkörpern, ist allenfalls edler Schmuck vergleichbar. Wenngleich dieser – außer bei besonderen Anlässen – meist unter Verschluss gehalten wird.

Schweizer Uhren jedoch werden häufiger, mitunter sogar ständig getragen. Eben weil sie nicht nur schön und edel, sondern auch ein hochwertiger Gebrauchsgegenstand sind; eine Meisterleistung der Feinmechanik, die sich durch verblüffende Präzision und Zuverlässigkeit definiert.

Die Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres, kurz COSC, ist die offizielle Schweizer Kontrollstelle für Uhren aller Art. 1,6 bis 1,8 Millionen Zertifikate stellt sie jährlich aus. Die COSC unterzieht die Chronometer dabei anspruchsvollen Tests, die auf einem selbst entwickelten Reglement beruht. Die international für mechanische Armbanduhren angewandte Norm ISO 3159 erscheint ihr für ihre Zwecke nicht ausreichend.

Die Liebe zum Detail überrascht nicht. Seit fast 500 Jahren legen die Eidgenossen und ihre Uhrenindustrie Wert auf größtmögliche Funktionalität und damit Genauigkeit. Die besten mechanischen Armbanduhren gehen über 24 Stunden höchstens eine Sekunde vor oder nach. Zertifizierte Quarzuhren weichen über einen ganzen Tag gemessen lediglich einen winzigen Bruchteil von einem Prozent ab.

Egal ob zertifiziert oder nicht, ob mit Federwerk oder Quarzantrieb ausgestattet –  ein Problem teilen alle Schweizer Uhren: ihre vielen Einzelteile. Hunderte davon verbergen sich hinter der schmucken Fassade des Gehäuses. Dieses muss markant aussehen, gleichzeitig aber stabil und korrosionsbeständig sein. Das Innenleben einer Uhr wiederum muss über Jahre, teilweise sogar Jahrzehnte Reibung und Verschleiß widerstehen, um zuverlässig die exakte Uhrzeit anzeigen zu können.

Trotz ihrer langen Tradition setzen die Schweizer Manufakturen bei Entwicklung und Produktion auf modernste Technik und Innovationen. Ein Verfahren, dem dabei eine spezielle Bedeutung zukommt, sind Beschichtungen, die in einzelnen Fällen hundertmal dünner sein können als ein menschliches Haar. Die Beschichtungen machen die Uhrengehäuse nicht nur abrieb- und verschleißfest, sie garantieren auch dauerhaft Haltbarkeit und Glanz. Firmen wie Oerlikon bieten dabei eine Vielzahl von Technologien an. Mit ihnen können die Uhrmacher exklusive Farben wie Tiefschwarz, Anthrazit, Schokoladenbraun, Gold, Silber oder Bronze auftragen.

In letzter Zeit werden Beschichtungen zunehmend bei den sensiblen Kleinstteilen des Uhrwerks eingesetzt, da diese einer konstanten Reibung ausgesetzt sind. „So lange unbeschichtete Teile keine Anzeichen für Verschleiß zeigen, sollte die Genauigkeit der Zeitanzeige nicht beeinträchtigt werden“, sagt Beat Weber, Segment Manager High End Deco bei Oerlikon Balzers: „So bald aber eines der winzigen Teile im Inneren der Uhr Verschleiß aufweist, leidet zwangsläufig die Funktionalität.“

Die Antwort auf diese Herausforderung sind amorphe Kohlenstoffschichten. Sie bedecken und schützen die Uhrenteile vor Verschleiß und damit ihrer allmählichen Zerstörung. Beschichtungen sorgen auch für die Einsparung von Schmierstoff. Ergo: Die Uhren müssen weniger häufig gewartet werden.

Bei manchen Gehäusen ermöglicht ein transparenter Ausschnitt einen Blick in das Innenleben der Uhr. Beschichtungen sorgen dank ihres dekorativen Charakters für die Ästhetik dieser sichtbaren Teile. Gleichzeitig verlängern sie die Lebensdauer und gewährleisten damit Genauigkeit und Funktionstüchtigkeit.

Auch in der Produktion der Uhrenteile spielen Beschichtungen eine zentrale Rolle, insbesondere bei den dafür verwendeten Maschinen. „Bohrer mit einem Durchmesser von nur 0,2 Millimeter sind bereits nach 10 bis 20 Betriebszyklen abgenutzt“, sagt Beat Weber. „Beschichtungen garantieren hier längere Standzeiten.“ Mit ein und demselben Bohrer können die Betriebszyklen um einen Faktor von 50 erhöht werden.

Ein Grund mehr, warum die Beschichtung von Uhrenteilen weltweit ständig zunimmt. Der Name Oerlikon steht, was die entsprechenden Prozesse angeht, für einige der innovativsten Technologien, Produkte und Dienstleistungen.

Aktuell existieren noch keine Kommentare

Sei der Erste, der einen Kommentar zu diesem Artikel abgibt.

Hinterlasse einen Kommentar
Zugehörige Stories