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Die Zukunft der Industrie

Ein Rückblick auf die erste Munich Technology Conference zur additiven Fertigung

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600 Visionäre, Technologen und Strategen diskutierten an der ersten Munich Technology Conference (MTC) die Zukunft der additiven Fertigung.

Die additive Fertigung (3D-Druck) steht für eine Umkehrung der industriellen Fertigung, wie wir sie kennen. Seit Urzeiten verwenden Menschen Werkzeuge und später Maschinen, um aus Stein- oder Metallblöcken Formen zu schneiden. Man nennt dies Zerspanung. „Bei der additiven Fertigung passiert genau das Gegenteil: Anstatt Material wegzuschneiden, schmilzt man Metallpulver mit einem Laser auf und baut es in der gewünschten Form auf“, erklärt Prof. Dr. Michael Süss, Verwaltungsratspräsident von Oerlikon. Damit können Ingenieure heute neue Komponenten bauen – oder vielmehr entstehen lassen – in welcher Form auch immer sie möchten. Es gibt keinerlei Limitierung mehr auf bestimmte Geometrien. Zum ersten Mal können wir Dinge erschaffen, ähnlich wie in der Natur.

Additive Fertigung wird bereits seit einiger Zeit industriell eingesetzt, vor allem in der Luft- und Raumfahrt und in der Medizintechnik. In Bereichen also, in denen geringe Stückzahlen mit sehr individuellen Formen benötigt werden, beispielsweise für Triebwerksteile oder Prothesen, die passgenau auf jeden Patienten abgestimmt werden können. Doch zunehmend erkennen auch weitere Branchen das Potenzial, welches die additive Fertigung mit sich bringt.

Mit dem Ziel, den Dialog und die Partnerschaften zu fördern, hat Oerlikon gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) die erste Munich Technology Conference (MTC) zum Thema additive Fertigung ausgerichtet. Auf der zweitägigen Konferenz im Oktober tauschten sich Experten aus Industrie, Forschung und Politik über die Zukunft und die Möglichkeiten dieser Technologie aus. Einigkeit herrschte darüber, dass die additive Fertigung die industriellen Produktionsprozesse revolutionieren wird: Ideen können schneller umgesetzt werden, industrielle Komponenten werden leichter aufgrund bionischer Strukturen, und dies alles bei geringerem Ressourcenverbauch.

Prof. Johannes Schleiffenbaum RWTH Aachen University

Prof. Dr. Johannes Schleiffenbaum (rechts), RWTH Aachen

“Das Schöne an der additiven Fertigung ist, dass man Ideen direkt in die Realität umsetzen kann“, sagt Prof. Dr. Johannes Schleiffenbaum, von der RWTH Aachen. „Dies ermöglicht es Ingenieuren, kreativer zu sein und völlig neue Dinge zu erschaffen.”

 

Prof. Horst Wildemann TUM TU München

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Horst Wildemann, TUM

“Die Chancen der additiven Fertigung ergeben sich in betriebswirtschaftlichen Grössen, Zeitersparnis, dem Handhaben von Komplexität in einem bisher nie dagewesenen Masse. Und ein ganz wesentlicher Punkt: Additive Manufacturing ist ein ‚Enabler‘ für bestehende Verfahren; es macht diese effizienter und besser.”

 

Michael Schreyögg MTU Aero Engines

Michael Schreyögg, Chief Program Officer, MTU Aero Engines AG

“Die additive Fertigung ermöglicht leichtere Komponenten durch bionische Strukturen. Eine Halterung, an der sich ein Flugbegleiter im A350 festhält, kann heute auf Titanium-Basis additiv hergestellt werden und wiegt 500 g weniger. Hochgerechnet auf die 30-jährige Lebenszeit eines Flugzeuges führt dies zu einer Reduktion von 300 000 Tonnen CO2.”

 

Mohammad Ehteshami GE Additive

Mohammad Ehteshami, Vice President und General Manager, GE Additive

“Die additive Fertigung ist noch immer eine junge Technologie. Doch wir sind bereits weit gekommen. Unternehmen wie unsere drucken bereits heute, was andere erst für das Jahr 2025 prognostiziert haben. Ich hoffe, dass die additive Fertigung nicht erst in zehn Jahren Einzug in die Massenproduktion hält, sondern bereits in zwei.”

 

Karsten Heuser Siemens

Dr. Karsten Heuser, Competence Center AM, Siemens AG

“Die additive Fertigung ist eine grosse Investition für Siemens. Aber eine notwendige.”

 

Langer EOS Group Laser

Dr. Hans J. Langer, Executive Chairman, EOS Group

“Bei EOS brauchten wir 20 Jahre, um die ersten 1’000 Systeme zu verkaufen (1990-2010), weitere 5 Jahre für die zweiten 1’000 und die letzten eineinhalb Jahre für die dritten 1‘000 Systeme. Bis heute haben wir also weltweit 3‘000 Systeme verkauft. Ab 2018 werden wir in der Lage sein, pro Jahr 1‘000 Systeme herzustellen und zu verkaufen”

 

Roland Fischer Oerlikon

Dr. Roland Fischer, CEO Oerlikon

“Bis die Industrialisierung der additiven Fertigung vollständig greift, gibt es noch viel für uns zu tun. Dennoch ist dies keine Frage des ‚ob‘, sondern des ‚wann‘. Und wenn es soweit ist, wird dies massive Veränderungen für die Industrie mit sich bringen.“

1 comments

  1. Guenther Prager

    Industrieelle Möglichkeiten einer r additiven Fertigung? Darf ich sie um Informationsmaterial ersuchen? Ein vor einigen Tagen uns angebotenes Industrieareal in der Größe von 33.000 Quadratmeter mit 7 Hallen a 3000 Quadratmetern inklusive Dampferzeugung und einem separten Wasserdurchfluss(Bach) mit Kraftwerk 60KV Leistung, könnte eventuell kurzfristig für eine industrielle Nutzung dieser neuen Technologieform für uns infrage kommen.Für Ihre Bemühungen sage ich vielen Dank im Voraus. Freundliche Grüße, G.R.Prager

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