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Teppiche entwickeln eine neue Magie

Und eröffnen dank moderner Herstellungsverfahren 1001 Möglichkeiten.

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Lange galt für Menschen mit Asthma und Allergien die Regel: Bloß keine Teppiche! Nun zeigen Forschungsergebnisse, dass Teppiche besser sind als ihr Ruf und sogar weniger Feinstaubbelastung verursachen als harte Bodenbeläge. Durch innovative Materialen und Verarbeitungsprozesse entwickeln Teppiche darüber hinaus völlig neue Möglichkeiten.

Von Gwen Moran und Gerhard Waldherr

Wer kennt sie nicht, die Legende von König Salomons Zauberteppich aus grüner Seide, auf dem beliebig viele Menschen Platz hatten? Wer ließ sich nicht schon verzaubern von den fliegenden Teppichen aus den Erzählungen von Tausendundeiner Nacht?

Von jeher sind wir fasziniert von Teppichen mit magischen Fähigkeiten. Und doch haben die kunstvoll gestalteten Vorleger ein schlechtes Image. Lange wurde angenommen, dass sie massenhaft Schmutz und Schadstoffe anziehen und Allergene mit gesundheitsschädlichen Wirkungen beherbergen.

Ärzte und Wissenschaftler haben Menschen mit Allergien und Asthma deshalb von Teppichen in ihrem Haushalt abgeraten. Bodenbeläge aus Hartholz, Keramik- oder Steinfliesen, so die Empfehlung der Experten, seien weniger belastet von Substanzen, die allergische Reaktionen und Asthmaattacken auslösen können. Es wurde sogar behauptet, Teppiche würden Toxine aufnehmen, einschließlich Blei, Pestiziden und Krebserregern. Und: Die Konzentration dieser Schadstoffe sei noch weit höher als die Belastung in den Straßen von Städten.

Jüngste Forschungsergebnisse widersprechen nun aber dieser Behauptung. Eine Studie des Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB) hat die Feinstaubbelastung in Haushalten mit Teppichen und harten Bodenbelägen verglichen. Das Ergebnis: In Haushalten mit harten Bodenbelägen ist die Feinstaubbelastung doppelt so hoch wie in Haushalten mit Teppichen.

Die Airmid Healthgroup Limited, eine biomedizinische Forschungseinrichtung, die auf Gesundheitslösungen spezialisiert ist, bestätigt diesen Befund und ermittelte, dass Teppiche in höherem Maße Allergene einschließen als harte Bodenbeläge. Der Grund: Verbesserte künstliche und organische Fasern sowie moderne Herstellungsprozesse sorgen dafür, dass Feinpartikel aus der Luft eingefangen und im Teppich gebunden werden. Ergo: Der Teppich wirkt wie ein konstanter Raumluftfilter.

„Teppiche wirken als passiver Luftfilter“, sagt auch Mathias Stündl, „sie schließen Staub, Pollen und andere Partikel ein und entfernen sie aus der Atemluft“ Stündl ist Leiter Entwicklung BCF (Bulked Continuous Filament) bei Oerlikon Neumag, einem Produzenten von Anlagen und Maschinen zur Herstellung von BCF-Teppichgarnen, synthetischen Stapelfasern und Vliesstoffen. BCF-Garne sind lange Endlosfasern, aus denen  Teppiche hergestellt werden.

Die Beschaffenheit dieser Garne verhindert auch, dass Partikel beim Laufen über den Teppich freigesetzt werden. Mehr noch: Beim Staubsaugen mit HEPA-Filtern oder mit Heißwasserextraktion konnte dank ihnen sowohl die Anzahl an Oberflächenallergenen als auch an Schwebeteilchen reduziert werden. So kann die Qualität der Raumluft konstant hoch gehalten werden. Zusätzlich bieten Teppiche noch weiteren Komfort wie eine bessere Isolierung, Geräuschdämmung und zahlreiche Designoptionen.

Innovative Maschinen und Herstellungsprozesse wie die von Oerlikon Neumag erlauben es, bei der Teppichproduktion weniger Garn bei gleicher Flächendeckung zu verwenden. Das spart Zeit und Kosten. Der Einsatz von nachhaltigen Materialien hat wiederum dazu geführt, dass die Teppiche heute fast keine flüchtigen organischen Verbindungen mehr freisetzen. Diese sogenannten Volatile Organic Compounds (VOC) – Chemikalien, die sich in Gase verwandeln – wurden unter anderem von Möbeln aufgenommen und beeinträchtigen die Luftqualität.

Doch die Innovation hört damit nicht auf. Moderne Garne und Herstellungsverfahren sorgen für ein neues Spektrum an interessanten und revolutionären Anwendungen. So zum Beispiel die Produktion weicherer Teppiche, oder solcher mit hoher Flecken- und Schmutzbeständigkeit. Neueste Entwicklungen ermöglichen zudem sogar eine Wärmespeicherung der Teppiche, wodurch sich Räume besonders an heißen Sommertagen kühler anfühlen.

In einem Satz: Moderne Teppiche sind nicht nur für Menschen mit Allergien und Asthma eine optimale Wahl, sie sind auch prädestiniert für alle, die auf die Raumluftqualität achten – und damit auf ihre Gesundheit.

Auch wenn moderne Teppiche nicht fliegen wie jene in den alten Geschichten aus dem Orient, so ist ihre Leistung doch nicht weniger beeindruckend.

 

Quellen:
https://www.theguardian.com/uk/2001/may/04/taniabranigan

https://shawfloors.com/flooring/how-to/carpet/why-carpet/breathe-easier

https://www.mohawkflooring.com/flooring/carpet/allergies-asthma

http://www.boyteks.com/carpet/en/innovative-product/

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