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Phänomenale Fasern

Intelligente Textilien sind der Stoff der Zukunft

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Kleider machen Leute. Das ist eine Binsenweisheit. Wie du dich anziehst, beeinflusst, was andere über dich denken. Dass aber Kleider selbst denken können und sogar mit dem, der sie trägt, kommunizieren, klingt eher nach Science Fiction. Dabei gibt es sie wirklich. Man nennt sie intelligente Textilien und sie könnten schon bald Bestandteil jeder Garderobe werden. Ein „smartes Outfit“ wäre dann weit mehr als ein modisches Statement.

Die offensichtliche Frage, die sich dabei stellt: Ein Stoff, der denkt – wie soll das gehen? Die Antwort liefert eine Methode, bei der Chemiefasern mit Nanotechnologie und organischer Elektronik[1] verwoben werden. Mittels eingebauten Sensoren sind diese phänomenalen Fasern in der Lage, Veränderungen in unserem Körper oder andere physikalische Bedingungen zu erfassen und die Informationen zu übertragen, damit der Träger der Kleidung entsprechend reagieren kann.

In diesem Frühjahr kommen beispielsweise Socken auf den Markt, die Menschen mit Diabetes rechtzeitig vor einer Entzündung im Fuß warnen und so eine dringend nötige Behandlung anzeigen. 2018 wird der kanadische Astronaut David Saint-Jacques während seines Aufenthalts in der internationalen Raumstation ISS ein Spezialhemd testen. Eine Software im Hemd wird Saint-Jacques über seinen Blutdruck, den Sauerstoffgehalt im Blut, die Herz- und Atmungsfrequenz sowie die Hauttemperatur informieren; darüber hinaus wird sie seine Schlafqualität und sein Aktivitätsniveau überwachen.

Noch steht die Forschung über intelligente Stoffe am Anfang. Fest steht jedoch schon heute, dass sie vielfältige Verwendung finden könnten in Sport, Gesundheitswesen und Militär. Insbesondere bei Berufen, in denen Menschen unter extremen Bedingungen arbeiten, könnte entsprechende Bekleidung für mehr Sicherheit und Produktivität sorgen. Das ist jedenfalls der Schluss, zu dem die Studie Intelligente Textilien und Wearables: Märkte, Anwendungen und Technologien vom September 2016 kommt. Sie spricht darin sogar von der „vierten industriellen Revolution für Textilien und die Modeindustrie“.

Genauso eindrucksvoll wie die Innovation selbst ist das Marktpotenzial. Grand View Research, Inc. prognostiziert, dass der globale Markt für intelligente Textilien und intelligente Stoffe von 544,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2015 auf 9,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 anwachsen wird. Das wäre eine Steigerung von 1700 Prozent. Das stärkste Wachstum dürfte dabei in den Bereichen Sport, Fitness, Militär und Verteidigung zu erwarten sein. In all diesen Bereichen sind Wasser- und Fleckenfestigkeit, UV-Schutz sowie antibakterielle Eigenschaften gefragt; alles Anforderungen, denen intelligente Textilien begegnen können.

Die Herstellung der Garne für diese außergewöhnlichen Stoffe basiert auf modernster Technologie. Oerlikon baut Anlagen für die Herstellung von Chemiefasern und ist damit substanziell an dieser Entwicklung beteiligt. Solche Anlagen bilden das Fundament einer komplexen Wertschöpfungskette und begleiten die Textilbranche auf dem Weg zu Markteinführung und Kommerzialisierung der neuen Produkte. Außerdem gewährleisten sie Effizienz und Produktivität der Maschinen, damit sich die Menschen intelligente Stoffe letztlich auch leisten können.

Unternehmen wie Oerlikon verfolgen deshalb sehr aufmerksam, wie sich die Textilmärkte entwickeln und welche Bedürfnisse der Kunde hat. Und das nicht nur heute, sondern auch in der Zukunft. „Es gibt nichts Befriedigenderes, als zusammen mit unseren Kunden neue Konzepte zu erarbeiten, die den Weg für außergewöhnliche Produkte ebnen“, sagt André Wissenberg, Head of Marketing, Corporate Communications and Public Affairs des Oerlikon Segments Manmade Fibers.

Kurzum: Intelligente Textilien sind der Stoff der Zukunft. Und diese Zukunft liegt näher, als man glauben würde.

 

Oerlikon bietet unter den Markennamen Oerlikon Barmag und Oerlikon Neumag Komplettlösungen für hochmoderne, innovative Chemiefaserproduktionsanlagen an, die zur Produktion und Endbearbeitung von Chemiefasern verwendet werden. Diese Produkte setzen Industriestandards in punkto Produktivität, Energieeffizienz und Flexibilität. Sie ermöglichen Textilherstellern effektiver auf die Herausforderungen durch immer kürzere Marktzyklen bei der Einführung von Produkten zu reagieren.

[1] Die organische Elektronik, auch Polymerelektronik genannt, ist ein Teilgebiet der Elektronik, das elektronische Schaltungen aus elektrisch leitfähigen Polymeren oder kleineren organischen Verbindungen verwendet.

Von Randy B. Hecht und Gerhard Waldherr

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