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Luftige Lebensretter

1,2 Millionen Menschen sterben jährlich durch vermeidbare Verletzungen im Straßenverkehr. Airbags mit verbesserten Technologien können diese Zahl deutlich reduzieren. Innovative technische Garne aus Polyester von Oerlikon Barmag spielen dabei eine zentrale Rolle.

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Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass man sie nicht erfinden kann. Die der Ingenieure Walter Linderer und John W. Hettick – einem Deutschen und einem US-Amerikaner – gehört dazu.

Wir schreiben das Jahr 1951. Linderer und Hetrick sind sich nie begegnet, sie wissen nichts voneinander. Und doch betreten beide etwa zur gleichen Zeit das Patentamt ihres Heimatlandes. Sie wollen eine Erfindung anmelden, die auf einer identischen Idee basiert: Säcke für den Innenbereich von Automobilen, die bei einer Kollision aufgepumpt werden. Die Ingenieure glauben, sie könnten Fahrzeuginsassen damit vor Verletzungen schützen und ihnen unter Umständen sogar das Leben retten.

Niemand kann sich damals vorstellen, welche Bedeutung diese Erfindung – der Airbag – einmal haben würde. 66 Jahre später sind die Hersteller unter anderem in den USA, Indien und Brasilien gesetzlich verpflichtet, ihre Fahrzeuge mit Frontal-Airbags auszustatten. Auch in Ländern, in denen es keine diesbezüglichen Vorschriften gibt, gehören Airbags längst zur serienmäßigen Ausstattung von Automobilen. Neben dem Frontalschutz gehören dazu auch Seiten-, Kopf und Knie-Airbags, die zudem in der Luft- und Raumfahrtindustrie und bei Motorrädern eingesetzt werden. Laut einer Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Lucintel wird die Airbagindustrie bis 2021 um 4,6 Prozent wachsen.

Die Nachfrage hat einen einfachen Grund: Gesetzgeber und Konsument fordern immer mehr Sicherheitsmerkmale in Fahrzeugen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat errechnet, dass jedes Jahr etwa 1,2 Millionen Menschen durch vermeidbare Verletzungen im Straßenverkehr getötet werden. Dass diese Zahl in den letzten Jahren trotz gestiegener Bevölkerungszahlen und stark wachsendem Verkehrsaufkommen stagniert, ist bereits das Ergebnis zahlreicher Verbesserungen in der Fahrzeugsicherheit.

Einfaches Prinzip, schnelle Wirkung

Das Prinzip des Airbags ist simpel: Bei einer Kolission bläst sich der Luftsack blitzartig auf. Die Dauer dieses Vorgangs ist kaum noch messbar. Airbags füllen sich innerhalb von 20 bis 30 Millisekunden, was sie vermutlich zu den schnellsten Lebensrettern macht, die es gibt.

Die Geschwindigkeit des Prozesses erfordert äußerst robuste und zuverlässige Materialien, deren Herstellung komplex ist. Benötigt werden solide und dauerhafte technische Garne, die dem explosionsartigen Aufblasvorgang zuverlässig standhalten. In der Regel werden Airbags aus Polyamid 6.6 hergestellt. Hersteller greifen jedoch neuerdings verstärkt zu Polyester (PET)-Garnen, deren Eigenschaften in letzter Zeit beträchtlich verbessert wurden und die zudem einen deutlichen Kostenvorteil bieten.

Andreas May von Oerlikon Barmag, einem der führenden Anbieter von technischer Garnherstellungsausrüstung, sagt: „Die ständige Weiterentwicklung der PET-Granulate und Prozesse ermöglicht es uns, bei Airbags PET anstelle von PA66 einzusetzen, dies gilt insbesondere für Seiten-, Kopf- und Knie-Airbags.“

Oerlikon Barmags Erfahrung und Innovationskraft in der Garnproduktion ermöglicht es den Herstellern, neue Wege zu beschreiten. Technische Garne können aus einer Vielzahl von Polymeren hergestellt werden. Dabei werden Fasern unterschiedlicher Stärke verwoben. Andreas May betont, dass auch hier durch innovative Technologien immer feinere Fäden produziert werden können. Der Vorteil ist, dass sich Fäden von feinerer Beschaffenheit leichter verarbeiten lassen und eine bessere Qualität des Endprodukts garantieren.

Linderer und Hetrick haben mit ihrer Kreativität und ihrem Fachwissen die Grundlage geschaffen, um Menschenleben zu retten. Oerlikon Barmag hat den Geist der Erfinder aufgegriffen und verfolgt gewissermaßen das nächste logische Ziel: eine großartige Erfindung aus der Vergangenheit mit innovativen Materialien an die Herausforderungen der Gegenwart anzupassen.

Von Erik Sherman und Gerhard Waldherr

[1] Lucintel, “Growth Opportunities in the Global Automotive Airbag Market 2016-2021: Trends, Forecast, and Market Analysis.” July 2016. http://www.prnewswire.com/news-releases/growth-opportunities-in-the-global-automotive-airbag-market-2016-2021-trends-forecast-and-market-analysis-june-2016-300304470.html

[1] World Health Organization, “Global Report on Road Safety 2015,” p. x. http://www.who.int/violence_injury_prevention/road_safety_status/2015/en/

[1] World Health Organization, “Global Report on Road Safety 2015,” p. 2. http://www.who.int/violence_injury_prevention/road_safety_status/2015/en/

 

 

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