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Das Auto, das die «Grüne Hölle» bändigte

Wie innere Werte diesen Porsche zum Weltrekord getrieben haben.

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Jeder Motorsportfan kennt sie: Die legendäre Nordschleife des Nürburgrings. Sie ist berüchtigt für ihre brutale und furchteinflössende Streckenführung: 73 enge Kurven, 300 Meter Höhenunterschied, 20,8 endlose Kilometer durch die Wälder der Eifel. Nach dem Eröffnungsrennen im Jahre 1927 schrieb ein englischer Journalist, «dass man wohl einen torkelnden Riesen im Vollrausch losgeschickt hat, um die Strecke festzulegen». Kürzer fasste sich der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart: «Grüne Hölle» nannte er sie 1970.

Die Formel-1-Piloten riefen in jenem Jahr aufgrund der Gefährlichkeit der Strecke sogar zu einem Boykott auf. Daraufhin wurden aus Sicherheitsgründen Veränderungen an der Strecke vorgenommen. Bis heute aber gilt die Nordschleife durch ihren Anspruch an Mensch und Maschine als Gradmesser

im Motorsport und in der Automobilindustrie: Es gibt keinen härteren Test für das Stehvermögen, die Fähigkeiten und die Nerven der Fahrer – und für das Material, mit dem sie unterwegs sind.

Weltrekord

Anders als viele Rennstrecken ist die Nordschleife eine für die Öffentlichkeit zugängliche Teststrasse – also können auch Sie mit Ihrem Fahrzeug dort mal eine Runde drehen. „Wenn Sie allerdings ein normales Auto fahren, werden Sie kaum an den Weltrekord für Limousinen von 7 Minuten und 38 Sekunden herankommen, den der neue Porsche Panamera Turbo vor kurzem auf der Nordschleife aufgestellt hat“, sagt Dr.-Ing. Thomas Günther, Leiter V-Motorenentwicklung – EAM bei Porsche AG.

Diese Zeit ist noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass der Rundenrekord für Serienfahrzeuge

mit Straßenbereifung von 6 Minuten und 57 Sekunden vom Porsche 918 Spyder, dem technisch aufwendigsten Supersportwagen unserer Zeit, gehalten wird.

Der Panamera, das ist eines seiner Erfolgsgeheimnisse, vereint ausserordentliche Leistung mit unglaublicher Effizienz. Sein modular aufgebauter 4-Liter-V8-Motor bietet eine Höchstleistung von 550

PS bei einer Drehzahl zwischen 5 750 und 6 000 U/min. In schwindelerregenden 3,8 Sekunden beschleunigt der Wagen von 0 auf 100 km/h. Das ist etwa so rasant wie ein schnelles Strassenmotorrad. Und doch, bei all der Leistung, wurde auch auf den Kraftstoffverbrauch geachtet. Die neue, adaptive Zylindersteuerung schaltet je nach Leistungsanforderung effektiv und für den Fahrer nicht wahrnehmbar zwischen 8-Zylinder- und 4-Zylinder-Steuerung um. Im letzteren Modus lässt sich der Kraftstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent senken. Der Aluminium-Motor reduziert zudem das Gewicht im Vergleich zum Vorgänger um 9,5 kg.

Innere Werte

Weniger offensichtlich, aber entscheidend, um Effizienz und Leistung zu steigern, ist die Verwendung einer Stahl-Beschichtung auf der Zylinderinnenseite. Die Gewichtsreduzierung durch Aluminiumkurbelgehäuse kann auf diese Weise umgesetzt werden ohne die seit langem geschätzte Robustheit von Zylinderlaufbahnen auf Eisenbasis zu verlieren. Dies wird erreicht, indem eine dünne Stahlschicht aufgebracht wird, die der Zylinderoberfläche Eigenschaften verleiht, die eine Aluminiumoberfläche nicht hat.

Porsche verwendet Thermalspray-Beschichtungen (APS), bei denen heisse, ionisierte Gase Metallpulver schmelzen und beschichtet damit die Oberfläche der Zylinderinnenwand. Die so entstehende Stahl-Beschichtung ist in etwa so dick wie ein Blatt Papier und reduziert den Verschleiss auf weniger als 10 Prozent verglichen mit dem in der Motorengeneration zuvor verwendeten Material der Laufbahnoberfläche. Auch der Ölverbrauch wird im Vergleich zur Vorgängerversion des Motors um die Hälfte gesenkt. So bietet das Fahrzeug nicht nur eine herausragende Leistung, sondern trägt auch zum Umweltschutz bei.

Die Beschichtung, die dem Panamera seine herausragenden Eigenschaften verleiht, verwendet die

SUMEBore-Technologie von Oerlikon Metco. Seit mehr als 20 Jahren hilft Oerlikon Metco Automobil- und Nutzfahrzeugherstellern, die Leistung ihrer Motoren zu erhöhen und dabei gleichzeitig das Gewicht

zu reduzieren, den Kraftstoffverbrauch zu optimieren und den Verschleiss, die Korrosion und den CO2-Ausstoss zu minimieren. Und, natürlich, ein Fahrerlebnis zu schaffen, als ob man in einem Formel-1-Rennwagen sässe.

Von Erik Sherman

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