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Fast besser als echt

Er sieht aus wie Rasen und fühlt sich für Sportler praktisch auch genauso an: Kunstrasen erobert die Stadien der Welt. Und das aus gutem Grund.

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Der heisseste Sport dieses Sommers? Fussball, keine Frage. An der Europameisterschaft und der Copa America kämpfen die Teams um den begehrtesten Titel ihrer Kontinente. Fans von überall her verfolgen leidenschaftlich die Spiele in den Stadien.

Eine entscheidende Rolle kommt dabei dem Boden unter den Füssen der Spieler zu. In Stadien wuchs dort lange nichts als natürliches Gras. Inzwischen hat man allerdings bei vielen Sportanlagen begonnen, es durch Kunstrasen zu ersetzen – durch Kunstrasen und durch sogenannte Hybridversionen, bei denen Naturgras mit Kunstfasern verstärkt wird.

Kunstrasen feiert in der Welt des Sports zunehmend Erfolge. Das hat mehrere Gründe. Am wichtigsten natürlich: Die einzelnen Halme des menschengmachten Grases sind zwar synthetisch, aber von ihrem Verhalten her, wirken sie genauso echt wie Naturrasen. Dank grosser Fortschritte bei Material und Technologie können synthetische Grashalme heute zudem in Farbe, Struktur und Federungsverhalten an die Eigenschaften des einheimischen Rasens angepasst werden. So fühlt sich der Rasen nicht nur ganz natürlich an, sondern sieht auch so aus, als sei er wirklich an Ort und Stelle „gewachsen“.

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„Je mehr wir in den verschiedenen Stadien unserer Forschung und Entwicklung auf jedes einzelne Detail achten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es niemand bemerkt, wenn der Rasen nicht ‚echt‘ ist“, sagt Jens Weinhold, Senior Manager Process Engineering bei Oerlikon Barmag in Chemnitz. „Wenn wir ein synthetisches Material erschaffen, das genauso aussieht und sich genauso verhält wie das Naturprodukt, dann können Sie sich voll und ganz auf das Spiel konzentrieren und werden den Boden gar nicht mehr beachten.“

Dieses künstliche Material hat sogar der Überraschungsmannschaft Island bei der Qualifikation für die Euro 2016 geholfen. Das harsche Klima auf der Insel bietet sich eigentlich eher für Wintersportarten an. Darum hat das isländische Team in Hallen oder draussen auf Plätzen trainiert, von denen viele mit Kunstrasen bestückt waren. Damit führt Island eine Art Tradition fort, die 2003 begann, als zehn Spiele der FIFA U17-Weltmeisterschaft im finnischen Helsinki auf Kunstrasen stattfanden.

Kunstrasen hat auch das Fussballspiel in der obersten norwegischen Liga vorangebracht und kam bei grossen Sportveranstaltungen in Salzburg, Bern und Moskau zum Einsatz. Auch in anderen Sportarten hat er sich durchgesetzt. 13 Teams der National Football League in den USA spielen auf Kunstrasen. In den amerikanischen High Schools und Universitäten hat er sich in den verschiedensten Sportarten wie American Football, Fussball, Hockey, Baseball, Rugby und Lacrosse etabliert und wird von mittlerweile 11’000 Teams genutzt; die zunehmende Zahl an Golfplätzen noch nicht einmal eingerechnet.

Mit jeder neuen Anwendung stellt der Kunstrasen seine geringen Wartungsanforderungen und niedrigen Unterhaltungskosten unter Beweis. Ein typischer Rasensportplatz nämlich, so hat der in den USA beheimatete Synthetic Turf Council ausgerechnet, verbraucht zwischen 1,9 und 3,8 Millionen Liter Wasser im Jahr. Dass man mit Kunstrasen den Wasserverbrauch um eine derart grosse Menge verringern könnte, ist ein Vorteil, der insbesondere für dürregefährdete Regionen nicht zu unterschätzen ist.

Für Sportler zählt am meisten, ob die künstlichen Grashalme sich anfühlen und verhalten wie natürlich gewachsener Rasen. Das ist unverzichtbar, damit der Rasen nicht nur ästhetischen Vorstellungen genügt, sondern auch die Gesundheit der Spieler schont und diese ihre beste Leistung abrufen können. Fortschritte beim Material haben das Verletzungsrisiko auf dem Feld schon deutlich herabgesetzt. Dies war eine der frühen Herausforderungen bei der Entwicklung von Kunstrasen, die inzwischen bewältigt werden konnte. Gleichzeitig sind Kunstrasenplätze heute so beschaffen, dass sie häufiger bespielt werden können. Das Spielfeld muss nach dem Training, nach einem Match oder nach einem Regenguss nicht mehr geschont werden, so dass die Spieler uneingeschränkt ihre Spieltechnik verbessern und sich auf Meisterschaften vorbereiten können. Die Zukunft wird weitere technologische Fortschritte und Materialverbesserungen bringen, so dass mehr bahnbrechende Entwicklungen im Hinblick auf die Rasenqualität zu erwarten sind.

„Wir sind auf unserem Gebiet genauso wettbewerbsfähig wie die Top-Spieler auf dem Platz“, sagt Jens Weinhold von Oerlikon Barmag, dem Weltmarktführer in der Entwicklung und Produktion von Spinnanlagen für Chemiefasern (wie Kunstfasern heute vorwiegend genannt werden).  „Unser Team ist stets auf der Suche nach neuen Strategien, Innovationen und Ideen, welche die Marktentwicklung vorantreiben können. Wir spielen sozusagen in der Champions League – und das nicht nur in Bezug auf Kunstrasen, sondern auf alle Anwendungen von künstlichen Fasern.

Besuchen Sie unsere Website um mehr über die Forschungs- und Entwicklungsbemühungen von Oerlikon Barmag auf dem Gebiet des Kunstrasens zu erfahren.

Von Randy B. Hecht und Daniel Ammmann

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