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4 Wege wie es Landwirte schaffen, 9 Mrd. Menschen zu ernähren

Jedes Jahr braucht die wachsende Weltbevölkerung mehr Lebensmittel. Dies stellt die Landwirte vor immer grössere Herausforderungen hinsichtlich Versorgungssicherheit und Kostenkontrolle. Eines der Unternehmen, das sich für die Lösung der vier dringlichsten Herausforderungen mittels innovativer Technologien einsetzt, ist der indische Agrarmaschinen-Hersteller Tractors and Farm Equipment Limited (TAFE).

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Die Weltbevölkerung wird von heute 7 Milliarden bis 2050[i]  auf über 9 Milliarden Menschen anwachsen. Allein der Getreidebedarf wird bis 2050 um 50 Prozent steigen – von derzeit 3 auf 4,5 Milliarden Tonnen im Jahr. Wenn die Menschheit in Zukunft auf dem heutigen oder einem besseren Ernährungsniveau leben will, muss die Landwirtschaft auf den vorhandenen Flächen deutlich mehr produzieren. Dabei stehen die Landwirte unter erheblichem wirtschaftlichem Druck, denn auf grossen Absatzmärkten sinken die Preise für Agrarprodukte. Gleichzeitig steigen die Energiekosten und die Anforderungen an den Umweltschutz. Besonders gross sind die Herausforderungen für Landwirte in Schwellenländern: Sie müssen unter schwierigen Rahmenbedingungen und mit begrenzten ökonomischen Ressourcen ihren Ernte-Ertrag steigern.

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Mallika Srinivasan ist Vorsitzende und Geschäftsführerin beim weltweit drittgrößten Traktor-Hersteller, dem indischen Unternehmen Tractors and Farm Equipment Limited (TAFE). TAFE produziert in Indien, China und der Türkei und exportiert seine Traktoren in 85 Länder, auch in die EU und die USA. Mallika Srinivasan kennt die Herausforderungen, vor denen ihre Kunden, die großen und kleinen Agrarbetriebe der Industrie- und Schwellenländer, in den kommenden Jahren stehen. Um sie zu unterstützen, investiert ihr Unternehmen in technische Innovationen und setzt auf strategische Partnerschaften, etwa mit entwicklungsstarken und kundenorientierten Zulieferern. Eines der wichtigsten Instrumente ist aber auch die Kommunikation: TAFE will die Probleme der Landwirte verstehen, um mit ihnen gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Mallika Srinivasan hat dabei vier Herausforderungen der globalen Agrarwirtschaft und mögliche Lösungsansätze identifiziert.

1.) Steigerung der Ernteerträge

Etwa 11 Prozent der Erdoberfläche werden derzeit landwirtschaftlich genutzt.[ii] Diese Fläche auszuweiten ist in vielen Ländern kaum möglich. In TAFEs Heimatmarkt Indien beispielsweise ist die landwirtschaftlich nutzbare Fläche knapp. Trotzdem muss Indien seine Getreideproduktion von jetzt 247 Millionen Tonnen bis 2050 auf 494 Millionen Tonnen verdoppeln. Die einzige Möglichkeit, den Ernte-Ertrag zu verbessern, liegt in der Erhöhung der Produktivität. Durch Technisierung lässt sich der Ertrag um etwa 15 Prozent steigern. Maschinen, die den Landwirten bei Bepflanzung und Ernte helfen, Unkraut beseitigen und Düngemittel effizienter einsetzen, sorgen für höhere Ernte-Erträge. Für unabhängige Landwirte in kleineren und mittelgroßen Betrieben sind Traktoren im Leistungsbereich zwischen 35 und 100 PS besonders wichtig. Deshalb investiert TAFE einen erheblichen Teil seines Forschungs- und Entwicklungsbudgets in dieses Produktsegment.

2.) Kostensenkung

Viele landwirtschaftliche Betriebe leiden darunter, dass ihre Kosten – etwa bei den Löhnen – schneller steigen als die Erlöse, die sie am Markt erzielen können. Besonders in den Schwellenländern sind die Einkommen vieler Bauern in den letzten Jahren deutlich gesunken. Die Verwendung von lizenziertem Saatgut, chemischen Düngemitteln und Pestiziden erhöht zwar die Produktivität, verursacht aber auch höhere Kosten. Eine stärkere Technisierung der landwirtschaftlichen Produktion kann Ausgaben und Aufwand deutlich reduzieren: Um 20 Prozent bei Saatgut und Düngemitteln, um 30 Prozent bei der Arbeitszeit und den Personalkosten. Insbesondere leichtere Traktoren mit Hydraulikausstattung, hoher Leistung, Kraftstoff sparenden Motoren und effizienten Leitungs- und Bremssystemen senken die Kosten. In Indien, wo TAFE-Traktoren einen Marktanteil von 25 Prozent haben, wird großer Nachholbedarf gesehen: Die Traktoren-Dichte in der Landwirtschaft liegt noch unter der von Ländern wie Vietnam oder Thailand.

3.) Bewusstsein

Im Jahr 2008 lebten weltweit erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Die Vereinten Nationen rechnen mit 5 Milliarden Städtern im Jahr 2030[iii], wodurch die Entfremdung zwischen Landwirten und Stadtbewohnern wachsen wird. Daher ist es notwendig, den Endverbrauchern, die jeden Tag auf die Produkte der Agrarbetriebe angewiesen sind, die Bedeutung der Landwirtschaft wieder ins Bewusstsein zu rufen. Ausserdem brauchen die Farmer Unterstützung, um die täglichen Herausforderungen in der Landwirtschaft zu meistern. Es gibt Initiativen, die sich genau dafür engagieren, beispielsweise die 1964 gegründete JFarm von TAFE. In dem 80 Hektar großen Agrarforschungszentrum in der Nähe von Chennai lernen Landwirte die neuesten Technologien und Möglichkeiten bei Erntepraktiken, Aussaat, Pflanzenschutz und Pestizideinsatz kennen. TAFE hat außerdem die Aktion „Be a #FarmDost“ initiiert, um die Stadtbevölkerung auf die Lage der Landwirte aufmerksam zu machen. Der Name drückt aus, um was es dabei geht: „Dost“ ist das indische Wort für „Freund“. Die Initiative soll die Menschen dafür sensibilisieren, wieviel Respekt die Arbeit eines Landwirtes verdient.

4.) Innovation

Wer Produktivität und Effizienz erhöhen will, muss an Innovationen arbeiten. Zum Beispiel bei Traktoren: Bei Fahrzeugen zwischen 30 und 60 PS sorgen neu entwickelte einstellbare Getriebe und präzise Elektro-Hydrauliksysteme für niedrigere Betriebskosten. Ergonomisches Design erleichtert die Arbeit. TAFEs neue Massey-Ferguson-Baureihe von SMART-Traktoren verwendet diese Innovationen. Sie basieren auf Technologie und Bauteilen von Oerlikon: Synchronisiereinrichtungen, elektronenstrahlgeschweißte Kupplungsgehäuse, Zahnräder, Zahnkränze, Schwenkgehäuse und Träger. Der Fortschritt braucht viele Entwicklungsschritte. In der Landwirtschaft sind größere Effizienz und Produktivität mehr als ein Kostenvorteil: Sie sichern die Zukunft der Menschheit.

In der fairen Kooperation zwischen Landwirten, Herstellern und Zulieferern lassen sich diese vier Herausforderungen, vor denen die Agrarwirtschaft steht, lösen. Lesen Sie auch unseren nächsten Artikel darüber, wie TAFE solche Partnerschaften und Allianzen mit bemerkenswerten Ergebnissen entwickelt.

[i] Population Reference Bureau, http://www.prb.org/Publications/Lesson-Plans/HumanPopulation/PopulationGrowth.aspx

[ii] Food and Agriculture Organization of the United Nations, http://www.fao.org/docrep/005/y4252e/y4252e06.htm

[iii] Population Reference Bureau, http://www.prb.org/Publications/Lesson-Plans/HumanPopulation/PopulationGrowth.aspx

Von Gwen Moran und Peter Laudenbach

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