Zurück zur Stories Übersicht

In the loop

Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Roman: Passagiere reisen bequem mit Schallgeschwindigkeit in Transportkapseln, die dank Vakuum-Technologie durch ein Röhrensystem rasen. Der Trip von Paris nach Rom dauert so nur noch eine Stunde. Von Hanoi in Vietnam ins chinesische Shanghai nur zwei Stunden. Von Mexico City nach Ottawa in Kanada nur dreieinhalb Stunden. Und das alles zu günstigen Preisen und ohne auf einem Flughafen noch lange auf den verspäteten Abflug oder das Gepäck warten zu müssen.

print

Hyperloop heisst dieses Projekt, eine Art Rohrpost für Menschen, das den Massentransport weltweit revolutionieren könnte. Es ist die Vision einer Zukunft, in der das Reisen weniger Zeit und Geld kostet und obendrein noch umweltfreundlicher ist, da die CO2-Bilanz von Langstrecken-Trips massiv reduziert werden kann.

Der Hyperloop ist keine abgehobene Vision, die nur ein schöner Traum bleibt. Im Gegenteil: Man ist bereits dran, ihn zu verwirklichen. Seriöse Investoren finanzieren erste Projekte. Und auch Oerlikon Leybold Vacuum ist überzeugt, dass der Hyperloop viel mehr ist als Phantasie und Wunschdenken. Um die Utopie Realität werden zu lassen, hat Oerlikon ein Abkommen mit Hyperloop Transportation Technologies unterzeichnet. Das amerikanische Unternehmen wird nächstes Jahr im kalifornischen Quay Valley einen Prototypen für den Hyperloop bauen.

HyperLoop_Concept_LosAngeles_01_copyright_(c)_2014_omegabyte3d

Design Studien copyright Hyperloop Transportation Technologies

Entscheidendes Knowhow

Der Schlüssel zum Erfolg des Hyperloop ist die Vakuumtechnologie.„Ausgerechnet in diesem Bereich waren Annahmen im Konzept von Tesla-Gründer Elon Musk, von dem die Hyperloop-Idee ursprünglich stammte, noch nicht validiert worden“, sagt Carl Brockmeyer, Head of Business Development bei Oerlikon Leybold Vacuum. „Wir haben es mit unserer Simulations-Software PASCAL geschafft, die ganze Hyperloop-Anlage bis ins Detail auszulegen. So konnten wir das Vakuum berechnen, dass für einen optimalen Betrieb nötig ist.“

Mit dieser einzigartigen Software kann Oerlikon den Einsatz von Vakuumtechnologie simulieren, testen und validieren. Sie wird in unterschiedlichen Industriebereichen eingesetzt. Für komplexe Vakuum-Lösungen wie beim Teilchenbeschleuniger des CERN, dem Genfer Forschungszentrum für Teilchenphysik, ist diese Software von hohem Nutzen.

Die Software ermöglicht es auch Projektkalkulationen zu optimieren, um Innovationen im Bereich der Flachbildschirme voranzutreiben. Ein Aspekt der Simulation ist zum Beispiel die Bestimmung der benötigten Hardware, um ein Projekt in die Realität umzusetzen – und die Software kann das, selbst wenn diese Hardware gar noch nicht existiert. PASCAL ist sozusagen das „Missing Link“, das bisher fehlende Verbindungsglied zwischen dem Konzept und der konkreten Umsetzung einer Ingenieurs-Idee.

Beim Hyperloop etwa kann das Oerlikon-Team die Dimensionen der Fahrröhre sowie Variablen wie verwendetes Material, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Energieverbrauch und den angepeilten Vakuum-Druck eingeben. Die Software übernimmt alle diese Annahmen und simuliert die Anforderungen für ein optimales Vakuum. Zu dieser Entwicklungsphase gehört auch das technische Design der Transportkapsel und des Röhrensystems.

Wir können jedes erdenkliche Projekt, das erst auf dem Papier besteht, testen und prüfen, ob es aus vakuumtechnischer Sicht in der Realität umsetzbar ist“, erklärt Carl Brockmeyer. „Es ist natürlich nicht nur die Software, die uns solch einzigartige Möglichkeiten bietet, es sind insbesondere unsere Wissenschaftler, Ingenieure und Konstrukteure und deren Knowhow.“

Gesellschaftlicher Nutzen

Für Oerlikon ist der Hyperloop eine Chance, an vorderster Front dabei zu sein, wenn neue Technologie entwickelt wird. Das Unternehmen ist ständig an Forschungs- und Entwicklungsprojekten in der Vakuumtechnologie beteiligt, doch selbst für Vollblutprofis stellt der Hyperloop eine aussergewöhnliche Herausforderung dar.

Wenn die Wissenschaftler von Oerlikon ihren Schreibtisch verlassen, dann widmen sie sich nicht selten einem Hobby, bei dem Technologie eine zentrale Rolle spielt. Für Menschen, die so tief in die Materie eingetaucht sind, liegt der spezielle Reiz des Projektes darin, an etwas wahrhaftig Visionärem oder gar Revolutionärem zu arbeiten.

HyperLoop_Concept_WashingtonDC_01_transparent_copyright_(c)_2014_omegabyte3d

Design Studien copyright Hyperloop Transportation Technologies

Auch darum ist Oerlikon vom Hyperloop fasziniert: weil er unsere Vorstellung von Reisen und Mobilität grundlegend verändern könnte. Brockmeyer mag den Vergleich, den Dirk Ahlborn, der CEO von Hyperloop Transportation Technologies, einmal gezogen hat: Als im 19. Jahrhundert die Eisenbahn aufkam, reagierte die Öffentlichkeit mit Angst und Schrecken. Die Menschen waren bis dahin noch nie schneller unterwegs gewesen als mit Pferd und Wagen. Sie glaubten, bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nicht mehr atmen zu können. Das Besteigen eines Zuges galt für viele als tollkühnes Unterfangen. Die Eisenbahn wurde zum Motor der Industrialisierung und veränderte die Welt wie kaum eine Erfindung zuvor.

Mit dem Hyperloop begeben wir uns erneut auf unbekanntes Terrain, lassen uns auf ein Konzept ein, dessen Mechanismen und gesellschaftlichen Auswirkungen wir noch nicht vollständig erfassen können. Wenn die Partnerschaft zwischen Oerlikon und Hyperloop Transportation Technologies dieses Projekt zum Abheben bringt, dann wird sie damit eine seltene Vordenkerrolle beweisen können. „Wir arbeiten an einem sinnvollen Projekt von grossem gesellschaftlichem Nutzen“, sagt Dr. Martin Füllenbach, der CEO von Oerlikon Leybold Vacuum. „Technisch ist der Hyperloop machbar, und wir sind stolz, an diesem Projekt mitzuwirken.“

By Randy B. Hecht

HyperLoop_Concept_LosAngeles_02_transparent_copyright_(c)_2014_omegabyte3d

Design Studien copyright Hyperloop Transportation Technologies

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Einen Kommentar schreiben
Zugehörige Stories