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Technologietransfer der begeistert

Remscheid, 27. Februar 2020 – Seit nunmehr über einem Jahrzehnt führt das Segment Manmade Fibers des Schweizer Oerlikon Konzerns jeweils zu Beginn eines jeden Jahres ein allumfassendes Technologiesymposium in der indischen Region rund um Silvassa/Daman durch. Nur etwa vier Stunden Autofahrt nördlich von Mumbai sind zahlreiche indische Chemiefaserproduzenten ansässig. Gespeist aus Oerlikon Polykondensations- und Extrusionsanlagen werden hier Polyester, Nylon und Polyprophylen auf großen Installationen der Oerlikon Barmag WINGS POY und WINGS FDY sowie der IDY und DTY Produktlinien als auch mit Hilfe der Stapelfaser- und BCF-Technologien der Oerlikon Neumag hergestellt. Grund genug für die Experten des Segments Manmade Fibers ihre Kunden mit ausführlichen Fachvorträgen über die neusten Entwicklungen des Produkt- und Serviceportfolios regelmäßig vor Ort zu informieren.

Technologietransfer der begeistert
Technologietransfer der begeistert
Technologietransfer der begeistert
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Technologietransfer der begeistert
Technologietransfer der begeistert

Bildunterschrift 1: Michael Roellke, Volker Schmid, Jochen Adler und André Wissenberg (von links nach rechts) bei der Podiumsdiskussion zusammen mit Sudipto Mandal aus der indischen Niederlassung.
Bildunterschrift 2: André Wissenberg sieht noch großes Wachstumspotential für die Chemiefaserindustrie in Indien und Bangladesch.
Bildunterschrift 3: Jochen Adler blickte mit dem Thema „Recycling“ in die Zukunft möglicher neuer Materialien für die Textilindustrie.
Bildunterschrift 4: Jürgen Vogel und Debabrata Ghosh eröffneten das Technologiesymposium in Daman vor rund 450 Teilnehmern.
Bildunterschrift 5: Die Tanzgruppe „Sukalyann d’entourage“ bei ihrer choreographischen Interpretation der Historie von Kaschmir.
Bildunterschrift 6: Die Tanzgruppe „Sukalyann d’entourage“ mit ihrem Programm „Amar Sonar Bangla“.

Oerlikon Manmade Fibers Segment setzt Akzente mit drei Kundentagen in Indien

So auch bei der Veranstaltung Anfang diesen Jahres, bei der rund 450 Manager und Mitarbeiter der ortsansässigen Firmen die Gelegenheit zum Informationsaustausch genutzt haben. Zum dritten Mal in Folge suchte Oerlikon zudem den Dialog mit der nächsten Generation des Managements großer indischer Polyester- und Nylonproduzenten in einer separaten Veranstaltung zuvor in Mumbai. Erstmalig wurde das Technologiesymposium wenige Tage später auch in etwas abgewandelter Form an einem zweiten Standort durchgeführt: in Kalkutta in West-Bengal, nach Planungen der indischen Regierung einem möglichen zukünftigen zweiten Schwerpunktstandort für die Herstellung von Chemiefasern in Indien. Hier fokussierten sich die Gespräche der Oerlikon Experten vor allem auf den Transfer von Technologien zur Herstellung von Polyester, Nylon und Polyprophylen. Oerlikon kann die gesamte Prozesskette von der Schmelze bis zum fertigen texturierten Garn bzw. den Fasern inklusive der notwendigen halb- und vollautomatisierten Logistikprozess aus einer Hand anbieten. Das ist vor allem für mögliche Neukunden und Investoren in West-Bengal sowie im Nachbarland Bangladesch von großem Interesse, da einige von ihnen noch nicht über eine Jahrzehnte lange Expertise bei der Produktion von Chemiefasern verfügen, wie es die meisten Unternehmen in der Region rund um Silvassa/Daman tun.

Clean Technology. Smart Factory.
Im Mittelpunkt aller Veranstaltungen standen die neusteten Produkt- und Serviceentwicklungen der Marken Oerlikon Barmag, Oerlikon Neumag und Oerlikon Nonwoven. Unter dem Motto „Clean Technology. Smart Factory.“ stellten die aus Deutschland angereisten Ingenieure die speziell für den indischen Markt ausgewählten Maschinen und Anlagen sowie die dazu gehörigen Services vor. Die Innovationen des letzten ITMA Jahres waren natürlich von besonderem Interesse für alle Teilnehmer.

eAFK Evo und WINGS FDY PA6 versprechen höhere Produktivität
Philip Jungbecker, Senior Technology Manager für Texturierungsmaschinen der Oerlikon Barmag, präsentierte die neue Maschinengeneration Oerlikon Barmag eAFK Evo. „Die eAFK Evo verspricht mehr Geschwindigkeit, Produktivität und konstant hohe Produktqualität sowie weniger Energieverbrauch und einfachere Bedienung als vergleichbare Marktlösungen“, so Jungbecker. Unter den vielfältigen neuen Features des Maschinenkonzeptes, die für einen spürbaren Mehrwert sorgen, machen zwei besonders Dampf mit cooler Technik: der optimierte innovative EvoHeater und der EvoCooler, eine komplett neu entwickelte aktive Kühlung. Hierzu gab es großes Interesse seitens der Besucher des Technologiesymposiums.

„Unsere WINGS FDY Lösung ist jetzt auch für den Polyamid 6 Prozess verfügbar. Das neue 24fach Aufwickelkonzept macht so die wirtschaftliche Produktion von FDY PA6 Garnen zur Realität“, erklärte Guido Dresen, Regional Sales Manager der Oerlikon Barmag. Die Erweiterung der Polyamidgarnproduktion von 12- auf 24-fach mit DIO und WINGS FDY zahlt sich für den Garnproduzenten besonders in punkto Investitions- (CAPEX) und Betriebskosten (OPEX) aus: signifikante Einsparungen bei Energie, Stellfläche und – aufgrund des ergonomischeren Designs – Anlegezeit gehören zu den überzeugenden Argumenten für das Konzept. Das gekapselte Streckfeld sorgt für eine geringe Emission von Präparation und bietet so ein sicheres Arbeitsumfeld. Der optimierte und schnell anzulegende Fadenlauf des bewährten WINGS FDY PET wird mit der hohen Relaxierleistung konventioneller Polyamidanlagen zu einem neuen Konzept verschmolzen. Der 24fädige WINGS FDY PA kombiniert so die Vorteile aus beiden Prozessen gewinnbringend. Resultat: Ausgezeichnete Garneigenschaften, beste Anfärbbarkeit, optimale Prozessperformance und hohe Vollspulenrate. Ein perfekter Spulenaufbau garantiert hervorragende Weiterverarbeitungseigenschaften in den Folgeprozessen. Mit einem Hub von 116 mm macht der Wickler hohe Spulengewichte möglich und liefert somit der Weiterverarbeitung Vorlagegarn mit Mehrwert. Damit schafft sich der Garnproduzent einen Wettbewerbsvorteil im Markt.

Beeindruckende Leistungsdaten der BCF S8
Herstellern von Teppichgarnen versprach Nis Lehman-Matthaei, Sales Manager der Oerlikon Neumag, mit der neuen Produktionsplattform BCF S8 mehr Schlagkraft in einem umkämpften Markt: „Höchste Spinngeschwindigkeiten, bis zu 700 Einzelfilamente, feine Titer bis zu 2,5 dpf – die Leistungsdaten und technologischen Feinheiten unserer neuen Anlage sind wirklich beeindruckend. Das Feedback unserer Kunden auf die neue Anlage ist hervorragend“, so Lehmann-Matthaei.

Zero Waste Philosophie erfolgreich umgesetzt
Mit der neuen Recycling-Baureihe VacuFil® bietet Oerlikon Barmag in Kooperation mit der eigenen Tochterfirma BBEngineering eine Lösung zur Zero Waste Philosophie. „Jahrzehntelange Erfahrung aus den Bereichen Extrusion, Filtration und Spinnerei wurden in einer neuartigen und innovativen Kernkomponente, dem Vakuumfilter, gebündelt. Er vereint die schonende Großflächen-Filtration und den kontrollierten IV-Aufbau für eine gleichbleibend hervorragende Schmelze-Qualität. Durch das am Filter anliegende Vakuum werden flüchtige Kontaminationen wie beispielsweise Spinnöl zuverlässig und schnell beseitigt. Die gute Entgasungsleistung entlastet zudem die energieintensive Vortrocknung“, erklärte Dr. Klaus Schäfer, Geschäftsführer der BBEngineering. Dank des modularen Aufbaus der VacuFil®-Baureihe bieten sich zahlreiche Möglichkeiten der Prozessführung. Ob als Stand-Alone-Lösung mit anschließender Granulierung oder als In-Line-Variante mit 3DD-Additiv-Einspeisung – durch unterschiedliche Anlagenkonfigurationen kann optimal auf die Kundenbedürfnisse eingegangen werden.

Spannende Podiumsdiskussion über Digitalisierung, Automation und Kreislaufwirtschaft
Neben der Vorstellung der vier Weltpremieren des Jahres 2019 standen zudem noch Vorträge zu weiteren Technologieneuerungen auf dem Programm. So wurden die neusten Entwicklungen der noch recht jungen Marke Oerlikon Nonwoven vorgestellt sowie die Modernisierungspakete für die CW und ACW Wickler Generationen erläutert. In einer Podiumsdiskussion stellte sich Jochen Adler, Chief Technology Officer des Segments Manmade Fibers, gemeinsam mit weiteren Oerlikon Experten den Zukunftsfragen rund um die Themen Digitalisierung, Automatisierung sowie dem Thema der Kreislaufwirtschaft der textilen Wertschöpfungskette.

Jochen Adler konstatierte hierbei: „Die digitale Veredelung unserer Maschinen und Produktionsanlagen zur Herstellung von Garnen, Fasern und Vliesstoffen entlang der textilen Wertschöpfungskette rückt immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses unserer Kunden. Unser Versprechen heißt dabei: Digitale Wertschöpfung schaffen über unsere exzellente Hardware hinaus. Mit unseren digitalen Lösungen wollen wir die Effizienz unserer Anlagen und die Qualität der Endprodukte weiter optimieren. Getreu unserer e-save-Philosophie möchten wir dabei die Umwelt schützen und die Nachhaltigkeit unserer Lösungen – zukünftig sicherlich auch im Sinne einer Kreislaufwirtschaft – weiter fördern. Dazu nutzen wir das Know-how unseres gesamten Ingenieursteams für den Großanlagenbau inklusive Vollautomatisierung, Transport-, Verpackungs- und Lagerlogistik sowie der automatisierten Qualitätskontrolle der Endprodukte. Dies kombinieren wir mit unseren Prozesskompetenzen und dem digitalen Datenhandling mittels unseres Plant Operation Center, kurz POC, und unseren Softwarelösungen basierend auf Künstlicher Intelligenz – wir nennen diese ,AIM‘, Kurzform von ,Artificial Intelligence Manufacturing‘. So entstehen innovative Industrie 4.0-Lösungen für unsere Kunden – mit integrierten Speicher- und Kommunikationsfähigkeiten, Funksensoren, eingebetteten Aktuatoren und intelligenten Softwaresystemen. Auf diese Weise bauen wir die Brücke zwischen Daten- und Materialfluss, zwischen virtueller und realer Welt.“

Komplexe Großanlagen aus einer Hand
Michael Roellke, Head of Global Factory Sales, präsentierte dem interessierten Publikum, wie die Experten des Oerlikon Manmade Fibers Segment komplexe Großanlagen realisieren und ihre Kunden dabei von Beginn an mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung und Expertise begleiten. Er stellte in seiner kurzen Rede auch noch einmal deutlich die Leistung der Oerlikon Gruppe heraus, die unter anderem auch Projekte bei der Finanzierung begleitet. Roellke erklärte zudem die Vorteile bei der Realisierung eines Factory-Projektes mit Oerlikon: „Unsere Kunden haben einen Vertragspartner, der die Verantwortung übernimmt. Es gibt einen Projektleiter als Hauptansprechpartner. Somit reduzieren wir die Anzahl von Schnittstellen und es gibt weniger organisatorischen Aufwand auf Kundenseite. Wir verfügen über ein großes Netzwerk an Experten. Alle Kernkomponenten kommen aus Oerlikon eigener Produktion. Wir bieten Planungssicherheit, hohe Effizienz durch kontinuierliche Prozessoptimierung, ein optimiertes Capex/Opex-Verhältnis sowie die Handhabung von Qualitätsdaten vom Rohmaterial bis zur einzelnen Spule“. Das sei in der Form einmalig in der Chemiefaserindustrie.

Wirtschaftliches Gravitationszentrum kehrt zurück nach Asian
In seiner mit Spannung vom Publikum erwarteten Rede sprach André Wissenberg, Vice President, Head of Marketing, Corporate Communications und Public Affairs, über unsichere Zeiten inmitten eines globalen Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie über die vor allem darunter zu leidenden Schwellenländer. Er stellte dabei fest, dass die Produktion von Chemiefasern in Ländern wie Indien und Bangladesch große Chancen für die Zukunft habe. Er sagte: „Die Chemiefaserindustrie wird in den kommenden Jahren weiterhin überdurchschnittlich vom Marktwachstum und der Verlagerung der Marktanteile von Baumwolle auf Chemiefasern profitieren. Aktuell beträgt das Wachstum von Polyester +2,4% CAGR. Laut einer Studie von PCI Wood Mackenzie beträgt die erwartete Wachstumsrate zwischen 2016 und 2030 für alle Polyesterfasern +3,3%, für Stapelfasern +2,1% und für Filamente sogar +3,8%. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Indien, der 2018 bei 5,9 kg lag, wird bis 2030 voraussichtlich 8,5 kg erreichen.“

Neue Herausforderungen für China, Indien und Bangladesch
„Das sich schnell verändernde globale Szenario stellt uns alle vor neue Herausforderungen“, so Wissenberg weiter. „Fast 50% der Bevölkerung werden zukünftig in Städten leben, und die Nachfrage nach Wasser, Nahrung und Energie wird vor allem in Asien und Afrika deutlich steigen. Die Suche nach politischen und wirtschaftlichen Lösungen für Schwellenländer wird sich auf alle Bereiche des Lebens auswirken, insbesondere auch auf die Textilindustrie. Das wirtschaftliche Gravitationszentrum wird sich weiter nach Asien verlagern. Darauf müssen wir uns alle einstellen.“ Die USA und Europa werden gegenüber China und Indien definitiv an Boden verlieren. Beim Bruttoinlandsprodukt lag China 2016 an erster Stelle, gefolgt von den USA, Indien, Japan und Deutschland. Bis 2050 werde Indien den zweiten Platz einnehmen, wodurch die USA auf den dritten Platz fallen werden und Indonesien den Platz Japans einnehmen werde. Und es werde mit Afrika ein neuer demografischer Riese entstehen, dessen junge und wachsende Bevölkerung zu einem mächtigen Wachstumsmotor für den Kontinent werden könnte, vorausgesetzt, es werde genügend in Bildung, Gesundheit und Wirtschaft investiert. Das Bevölkerungswachstum Afrikas werde zwischen 2018 und 2050 für etwa 58% des globalen Wachstums verantwortlich sein.

Zur Situation in China sagte Wissenberg: „Die Trends in China im Jahr 2019 haben gezeigt, dass das Land von einer Hochgeschwindigkeitswirtschaft zu einer Gesellschaft mit qualitativ hochwertigem Wachstum übergegangen ist. Chinas Wirtschaft verlangsamte sich von 6,9% im Jahr 2017 auf 6,6 % im Jahr 2018, was hauptsächlich auf die Verschärfung der Finanzaufsicht im Bankensektor und auf den sich ausweitenden Handelsstreit mit den USA zurückzuführen ist. Eine weitere Verlangsamung wird für 2019 und 2020 mit 6,2% bzw. 6% prognostiziert. Die Auswirkungen der Corona-Virus Epidemie sind dabei noch nicht berücksichtigt.“ Die Reformen in China seien in mehreren Schlüsselbereichen vorangekommen, darunter 1. Stärkung der Finanzvorschriften; 2. Kontrolle der Investitionen der Kommunalverwaltungen; 3. verringertes Tempo der Schuldenakkumulation; 4. neues FDI-Gesetz und Überarbeitung der Liste der FDI-Einträge. Das Defizit des Gesamtstaates werde derzeit auf 11% des BIP geschätzt. Sollten die Handelsspannungen weiter eskalieren, sind weitere zusätzliche, vor allem fiskalische Anreize gerechtfertigt, höre man aus China.

Die Weltwirtschaft werde insgesamt von einem offeneren, stabileren und transparenteren, regelbasierten internationalen Handelssystem profitieren. Wissenberg listete die größten Herausforderungen für die indische Wirtschaft auf: Die Aufrechterhaltung und Erreichung eines jährlichen Durchschnittswachstums von 9 bis 10%, die Bereitstellung investorenfreundlicher Rechts- und Steuersysteme, die Begrenzung der Defizite in der Rechnungslegung und im Haushalt, die Entwicklung einer Infrastruktur von Weltrang zur Aufrechterhaltung des Wachstums in allen Wirtschaftssektoren, die Eindämmung der Währungsabwertung, die Beseitigung von Umwelthindernissen für ausländische Direktinvestitionen, die Kontrolle der Inflation und die Zulassung von ausländischen Direktinvestitionen in verschiedenen Bereichen. Insgesamt sieht Wissenberg also eine positive Aufbruchstimmung für die Chemiefaserindustrie in Indien in dem nun neu angebrochenen Jahrzehnt, warnt aber zugleich auch vor besagten globalen Risiken.

Kulturelle Höhepunkte
Beide Technologiesymposien wurden von je einem kulturellen Höhepunkt begleitet. In Daman stand die musikalische und tänzerische Aufbereitung der Historie von Kaschmir auf der Bühne, in Kalkutta begeisterte das Programm „Amar Sonar Bangla“. Hier hat sich besonders Debabrata Ghosh, General Manager Sales der Oerlikon Textile India Ltd., engagiert und beide Programme mit dem international renommierten Tanzstudio „Sukalyann d’entourage“ aus Mumbai und Toronto ausgearbeitet.

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André Wissenberg

André Wissenberg

Marketing, Corporate Communications & Public Affairs

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