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Oerlikon repositioniert und strafft Geschäftsaktivitäten

Ergebnis 2008 durch bedeutende Einmaleffekte belastet

  • Bestellungseingang: CHF 4,3 Mrd. (-25,7% gegenüber 2007)
  • Umsatz: CHF 4,8 Mrd. (-12,1% gegenüber 2007)
  • EBIT: CHF -37 Mio., operatives Ergebnis positiv mit CHF 281 Mio. (vor Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen des Goodwills)
  • Operativer Geldfluss: CHF 411 Mio. (-39,4% gegenüber 2007, vor Veränderungen im Nettoumlaufvermögen)
  • Oerlikon Solar steigerte Umsatz um über 100% bei 18% EBIT-Marge
  • Kreditauflagen erfüllt
  • Top Prioritäten für 2009: Restrukturierung, finanzielle Stabilität und Portfolio

Pfäffikon SZ, 26. März 2009 - 2008 war für Oerlikon eines der schwierigsten Jahre in der jüngeren Unternehmensgeschichte. Aufgrund externer Markteinflüsse konnte der Konzern das starke Wachstum der vergangenen Jahre nicht fortsetzen und wies für 2008 bedingt durch hohe Einmaleffekte ein Konzernergebnis von CHF -422 Mio. aus. Das Betriebsergebnis vor Restrukturierungsaufwendungen und Wertberichtigungen auf Goodwillpositionen belief sich auf CHF 281 Mio. oder 6 Prozent des Umsatzes als Folge der guten Ergebnisse aus den Kernaktivitäten. Die Rückgänge im Textil- und Halbleitergeschäft wurden teilweise durch die übrigen Geschäftsfelder kompensiert, vor allem durch das starke profitable Wachstum von Oerlikon Solar. Der Konzern antwortet auf das weiterhin schwierige Wirtschaftsklima mit drei Stossrichtungen: Erweiterte Restrukturierung, Stärkung der finanziellen Stabilität sowie fortgesetzte Fokussierung des Portfolios.

Verwaltungsratspräsident Vladimir Kuznetsov kommentiert: „Die Ergebnisse von Oerlikon im Jahr 2008 sind enttäuschend. Die Leistungen des Unternehmens wurden durch zwei bedeutende externe Faktoren nachteilig beeinflusst: der beispiellose Einbruch der Textil- und Halbleitermärkte sowie der allgemeine wirtschaftliche Rückgang. Der Verwaltungsrat ist jedoch überzeugt, dass der Konzern in der Lage ist, die aktuellen Herausforderungen des Marktes zu meistern."

Dr. Uwe Krüger, CEO von Oerlikon, ergänzt: „Wir bleiben überzeugt, dass Oerlikon mittel- bis langfristig ein erhebliches Wachstums- und Entwicklungspotenzial aufweist. Das Wirtschaftsklima bleibt sehr schwierig und wir haben alle nötigen Massnahmen getroffen - zeitnah und konsequent -, um den Shareholder Value erst wiederherzustellen und anschliessend weiter zu steigern. Wir sind dabei, ein konsequentes Restrukturierungsprogramm sowie Massnahmen zur Sicherung der Profitabilität umzusetzen, und wir werden unsere Risikoexposition verkleinern, indem wir unser finanzielles Fundament stärken und unser Portfolio straffen."

Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten des Konzerns sank im Berichtsjahr um 12,1 Prozent von CHF 5,4 Mrd. auf CHF 4,8 Mrd. (minus 8 Prozent vor Währungseinflüssen). Der EBIT betrug CHF -37 Mio. (Vorjahr: CHF 467 Mio.). Vorbehaltlich einmaliger Restrukturierungskosten (CHF -66 Mio.) und Wertberichtigungen des Goodwills (CHF -252 Mio.) lag das Betriebsergebnis bei CHF 281 Mio. (Vor-jahr: 471 Mio.). Das Konzernergebnis belief sich auf CHF -422 Mio. Das Ergebnis wurde von stark gestiegenen Rohmaterialpreisen (CHF 40 Mio.) und Währungseinflüssen (CHF 44 Mio.) negativ geprägt.

Hintergrund der Unternehmensentwicklung ist der historisch einmalige Rückgang des globalen Textilmaschinenmarkts. Der 49 prozentige Rückgang des Bestellungseingangs im Segment Oerlikon Textile belief sich auf CHF 1 291 Mio. (87 Prozent des Rückgangs im Bestellungseingang der fortgeführten Aktivitäten). Der deutsche Maschinen- und Anlagenbauverband (VDMA) beziffert den Einbruch im Auftragseingang der Textilmaschinenindustrie im Jahr 2008 auf insgesamt über 60 Prozent und relativiert damit die Leistung von Oerlikon Textile im Vergleich zum Gesamtmarkt. Selbst in diesem zyklischen Markt ist eine so hohe Volatilität bislang unbekannt und hat alle Marktteilnehmer in dieser Dimension überrascht. Allein die Einbussen im Segment Textile belaufen sich beim Umsatz auf CHF 1 029 Mio. sowie beim EBIT auf CHF 489 Mio. Zusätzlich verschärfte die globale Finanzkrise ab dem vierten Quartal 2008 die Situation deutlich. Innerhalb weniger Wochen erfasste der Einbruch des Weltfinanzsystems die Realwirtschaft und löste zum Jahresende einen starken Rückgang der Weltwirtschaftsleistung aus.

Diese übergeordnete Entwicklung bedeutet für Oerlikon zweierlei: erstens hat sich der Abwärtstrend der schon zu Jahresbeginn stark rückläufigen Textilmaschinen- und Halbleitermärkte weiter verschärft. Zweitens kam auch bei den bis dahin stabil expandierenden Kerngeschäftsfeldern Oerlikon Coating, Solar und Vakuum das Wachstum gegen Jahresende beinahe zum Stillstand. Gleiches gilt für Oerlikon Drive Systems. Aufgrund zurückgestellter Projektfinanzierungen erfuhr auch Oerlikon Solar einen Rückgang des Bestellungseingangs in der zweiten Jahreshälfte 2008. Entsprechend ging der Bestellungseingang der fortgeführten Aktivitäten des Konzerns von CHF 5,8 Mrd. um 25,7 Prozent auf CHF 4,3 Mrd. zurück. Der Bestellungsbestand per Ende des Jahres weist CHF 1,3 Mrd. aus, ein Minus von 27,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Geschäftsentwicklungen im Berichtsjahr 2008 belasteten die finanzielle Situation der Unternehmung. Das Eigenkapital des Oerlikon Konzerns beträgt CHF 1,1 Mrd. (Vorjahr: CHF 1,9 Mrd.). Dies entspricht 20,4 Prozent der Bilanzsumme. Das Eigenkapital wurde 2008 hauptsächlich durch Wertberichtigungen auf Goodwill-Positionen in Höhe von CHF 345 Mio.
(CHF 252 Mio. für fortgeführte Aktivitäten) sowie durch Wechselkursveränderungen (CHF 192 Mio.) belastet. Der Geldfluss auf betrieblichen Tätigkeiten (vor Veränderungen im Nettoumlaufvermögen) belief sich im Jahr 2008 auf CHF 411 Mio. (Vorjahr: CHF 678 Mio.). Dieser Rückgang ist im Wesentlichen auf den Einbruch der operativen Leistung im Textilmaschinenbereich sowie im Halbleitergeschäft zurückzuführen. Die Nettoverschuldung des Konzerns hat 2008 von CHF 1 298 Mio. auf CHF 1 681 Mio. zugenommen. Dank eines Verhältnisses von Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA von weniger als 3 wurden die Auflagen des Konsortialkredits über CHF 2,5 Mrd. erfüllt.

Unterschiedliche Entwicklungen der Oerlikon Segmente im Berichtsjahr

Der Umsatz des Segments Oerlikon Textile ging auf CHF 1 690 Mio. zurück (-37,8 Prozent) bei ei-nem EBIT von CHF -281 Mio. einschliesslich Einmaleffekten (Restrukturierungskosten und Wertberichtungen auf Goodwill-Positionen) in Höhe von CHF 255 Mio. Der Bestellungseingang brach um 48,6 Prozent auf CHF 1 364 Mio. ein. Den zyklischen wirtschaftlichen Abschwung antizipierend, hatte das Management bereits Ende 2007 ein tiefgreifendes und umfangreiches Restrukturierungsprojekt „Simplify Oerlikon Textile" initiiert. Aufgrund der sich verschärfenden Entwicklung im Laufe des Jahres 2008 wurde dieses Programm massiv erweitert und beschleunigt implementiert, mit dem Ziel, die Gewinnschwelle um mehr als CHF 300 Mio. zu senken und die Fixkosten bis 2010 gegenüber den Werten von 2007 um über 20 Prozent zu reduzieren. Da eine Erholung des Textilmaschinenmarktes gegenwärtig nicht vor 2010 erwartet wird, wird der durch das „Simplify Oerlikon Textile"-Projekt vorgegebene Weg im laufenden Jahr konsequent weiterverfolgt. Ein weiterer Rückgang des Textilmaschinengeschäfts kann zudem nicht ausgeschlossen werden. Oerlikon Textile wird mit hoher Flexibilität, Konsequenz und Konsistenz auf künftige Marktentwicklungen reagieren.


Oerlikon Balzers hat im Berichtsjahr erstmals die Umsatzschwelle von CHF 500 Mio. übertroffen und wird im Segment Coating als einzige Business Unit geführt. Die Business Unit Oerlikon Systems wur-de als Folge der Repositionierung rückwirkend für 2008 unter dem Segment Oerlikon Advanced Technologies geführt. 2008 wies Oerlikon Coating hervorragende Resultate aus. Der Umsatz stieg um 2,4 Prozent auf CHF 509 Mio.; der EBIT betrug CHF 78 Mio. Vorbehaltlich einmaliger Aufwendungen von CHF 6 Mio. blieb die EBIT Marge bei über 16 Prozent. Balzers setzte erfolgreich seine regionale Expansion fort und eröffnete neue Beschichtungszentren in wesentlichen Wachstumsmärkten Asiens.

Im Berichtsjahr 2008 stellte das neue Segment Solar unter Beweis, dass es seine technologischen Kompetenzen in ein starkes, profitables Wachstum umsetzen kann. Der Umsatz stieg inklusive In-nenumsätze auf CHF 628 Mio., der Umsatz mit Dritten betrug CHF 598 Mio. (+124,8 Prozent). Der EBIT erreichte CHF 107 Mio. (+69,8 Prozent). Mit einer EBIT-Marge von 18 Prozent war Oerlikon Solar das profitabelste Segment der Gruppe. Aufgrund der internationalen Finanzkrise wurden im zweiten Halbjahr neue Projekte zurückgestellt. Diese Verzögerungen führten zu geringerem Umsatz und Bestellungseingang als anvisiert. Der Bestellungseingang belief sich auf CHF 566 Mio. (-12,9 Prozent). Im Jahr 2009 dürfte sich der Auftragseingang bedingt durch die globale Wirtschaftskrise auf dem gleichen Niveau wie 2008 bewegen. Angesichts unveränderter Rahmenbedingungen für die langfristigen Wachstumsaussichten geht das Unternehmen jedoch ab Anfang 2010 von einer Rückkehr zu zweistelligem Marktwachstum aus.

Dank einer starken Leistung in den ersten neun Monaten 2008 verzeichnete Oerlikon Vacuum solide Ergebnisse für das Gesamtjahr 2008. Das Segment erzielte ein Umsatzwachstum von 1,5 Prozent auf CHF 465 Mio., der Bestellungseingang lag bei CHF 460 Mio. (-3,6 Prozent) bei einem EBIT von CHF 49 Mio. (-10,9 Prozent). Auf EBIT-Stufe wurde das Ergebnis durch ungünstige Wechselkursentwicklungen deutlich nachteilig beeinflusst. Ohne Währungseinflüsse überstieg die EBIT Marge 14 Prozent. Oerlikon Vacuum erwartet für 2009 ein geringeres Marktvolumen, da die meisten Investitionstätigkeiten sich bereits weltweit verlangsamt haben. Dank einem stabilen Portfolio, neuen Produktlinien mit gesteigertem Kundennutzen und konsequenten Antworten auf die Krisensituation ist Oerlikon Vacuum heute gut positioniert, um die Herausforderungen am wirtschaftlichen Horizont anzugehen.

Ungeachtet des weltweit schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes konnte Oerlikon Drive Systems den Umsatz 2008 um 8,2 Prozent auf ein Rekordniveau von CHF 1 204 Mio. steigern. Während das Wachstum in der ersten Hälfte 2008 in vielen Marktsegmenten über den Erwartungen lag, liess die Dynamik der Industriesektoren im zweiten Halbjahr deutlich nach, insbesondere im Bereich Baumaschinen. Der EBIT sank um 21,7 Prozent auf CHF 65 Mio., primär aufgrund der hohen Rohmaterialpreise sowie Ineffizienzen aufgrund der unerwarteten Spitzenumsätze während der ersten sechs Monate. Für das laufende Jahr rechnet Oerlikon Drive System mit deutlich tieferen Umsätzen, insbesondere in der ersten Jahreshälfte. Die Auswirkungen der niedrigeren Umsätze auf die Gewinnmarge werden durch die voranschreitende Optimierung des globalen Produktionsnetzwerks und deren Anpassung an die Marktnachfrage limitiert.

Im Zuge der Straffung des Portfolios wurde das Segment Oerlikon Components umbenannt in Oerlikon Advanced Technologies. Das Segment beinhaltet neu die aktiven Business Units Oerlikon Space und Oerlikon Systems sowie Oerlikon Esec und Oerlikon Optics als nicht fortgeführte Aktivitäten. Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten von Oerlikon Advanced Technologies lag 2008 bei CHF 284 Mio. (-18,4 Prozent), der Bestellungseingang bei CHF 250 Mio. (-27,1 Prozent). Der EBIT fiel von CHF 5 Mio. auf CHF -66 Mio., inklusive Einmaleffekten in Höhe von CHF -75 Mio. im Zusammenhang mit der Neuausrichtung von Oerlikon Systems. Die Business Unit sah sich im Berichtsjahr 2008 einem Einbruch im Halbleitermarkt gegenüber, der sehr viel deutlicher ausfiel als erwartet. Dies führte zu Umsatzrückgängen in der Grössenordung von 30 Prozent. Oerlikon Systems erwartet eine weitere Marktverschlankung im laufenden Jahr. Oerlikon Space steigerte 2008 Umsatz und Gewinn einmal mehr deutlich. Dabei profitierte die Business Unit insbesondere von der anhaltend hohen Nachfrage nach kommerziellen Raketenstarts. Der globale Markt für Raumfahrtanwendungen wird auch in den kommenden Jahren weiter wachsen.
Abschreibungen, einmalige Restrukturierungskosten sowie der Verkauf des Geschäftsbereichs Esec führten bei den nicht fortgeführten Aktivitäten zu einem Verlust von CHF 215 Mio., einschliesslich des positiven Beitrags aus den verbliebenen Optics-Aktivitäten.

Mittel- bis langfristige Aussichten dank Innovationen intakt

Mit einem von 4,5 Prozent (Vorjahr) auf 5,2 Prozent erhöhten Umsatzanteil für Forschungs- und Entwicklungsprojekte (F&E) zählt Oerlikon zu den forschungsintensivsten Industriekonzernen in seinen Märkten. Investitionen in F&E betrugen im Jahr 2008 insgesamt CHF 247 Mio. (fortgeführte Aktivitäten). In sämtlichen Geschäftsfeldern differenziert sich das Unternehmen mit führenden Technologien und Produkten, die den Kunden und Anwendern Mehrwerte in Form höherer Effizienz, Produktivität und Qualität bieten. In vielen Fällen verfügt Oerlikon über einzigartige Produkte und Leistungen, die der Wettbewerb in dieser Form nicht anbieten kann - etwa die Micromorph-Technik von Oerlikon Solar oder das P3eTM Beschichtungsverfahren von Oerlikon Balzers. Ein weiteres Beispiel für die erfolg-reiche Innovationskraft von Oerlikon ist die Markteinführung eines völlig neuen Konzepts für eine Chemiefaser-Spinnanlage auf der Textilmesse ITMA Ende 2007 durch Oerlikon Textile. Die neue POY-Maschine WINGS (Winding Integrated Godet Solution) wurde 2008 mehr als 1600 Mal verkauft. Mit einem Schlag eroberte WINGS damit einen Weltmarktanteil von mehr als 50 Prozent.

CEO Dr. Uwe Krüger erläutert: „Diesen Technologie- und Wettbewerbsvorsprung zu halten und weiter auszubauen ist das Ziel unserer überdurchschnittlich hohen Aufwendungen und Investitionen in F&E sowie einer intensiven Vernetzung in die weltweite Spitzenforschung." Knapp 1 500 Wissenschafter und Ingenieure arbeiten im Oerlikon Konzern an zukunftsweisenden Lösungen. Dabei erreichte 2008 die Zahl der angemeldeten Patente einen Wert von über 2 200. „Innovationen kommen von engagierten Mitarbeitenden", ergänzt Dr. Krüger. „Deshalb unternimmt Oerlikon grosse Anstrengungen, seine Attraktivität für neue Talente sowie die Förderung seiner Beschäftigten zu erhalten."

Oerlikon beabsichtigt, mit Innovationsprojekten in den Bereichen Clean Technologies sowie Nanotechnologie weitere Zukunftsmärkte zu besetzen. Beide Gebiete spielen eine zunehmend wichtige Rolle im Oerlikon Portfolio. So ist etwa der Anteil des mit Clean Technology-Produkten erwirtschafteten Umsatzes, also mit Produkten, die einen direkten Nutzen für die Umwelt haben, von 8 Prozent im Jahr 2007 auf 18 Prozent im Berichtsjahr angestiegen. Zusätzlich zu den Produktionsanlagen für Dünnschichtsilizium-Solarmodule zählen zu den Clean Technology-Produkten auch Getriebe für Elektroautos sowie Windkraftanlagen und Vakuumpumpen für den Solarmarkt. Das Ziel, welches sich Oerlikon mit der Neuausrichtung der Business Unit Oerlikon Systems gesetzt hat, ist, in der nächsten Evolutionsstufe der Nanotechnologie von Anfang an eine führende Rolle einzunehmen. Oerlikon Systems konzentriert sich künftig auf Wachstumsmärkte, vor allem in der Solartechnik, bei neuartigen Dünnschicht-Batteriesystemen oder thermoelektrischen Generatoren.

 

Ausblick 2009

Um dem gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld und weiter rückläufigen Märkten zu begegnen, hat das Management drei Stossrichtungen als Top Prioritäten für 2009 definiert:

  • Aufrechterhaltung der Nachhaltigkeit des Konzerns durch beschleunigte Restrukturierung und Sofortmassnahmen zur Kostensenkung.
  • Sicherstellung der finanziellen Stabilität durch Verbesserungen des Cash Flows, Reduzierung des Umlaufvermögens sowie Refinanzierung.
  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation und eine weitere Fokussierung des Portfolios.

Der erste Bereich konzentriert sich auf Restrukturierungs- und Sofortmassnahmen zur Kostensenkung, insbesondere bei Oerlikon Textile und Oerlikon Drive Systems.

Bei Oerlikon Textile zielen zusätzliche Massnahmen darauf ab, bis 2010 die Gewinnschwelle um CHF 500 Mio. abzusenken, CHF 200 Mio. mehr, als zuvor geplant (auf Basis 2007). Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Strategie von Oerlikon Textile neu definiert und weicht vom bisherigen Anspruch eines lösungsorientierten Komplettanbieters ab. Ab sofort fokussieren sich die Business Units von Oerlikon Textile mit individuellen Verantwortlichkeiten auf profitable Marktsegmente. In gegenseitigem Respekt und Einverständnis wurde beschlossen, dass der bisherige CEO des Segments, Dr. Carsten Voigtländer das Unternehmen per 31. März 2009 verlässt. Die jeweiligen Leiter der Geschäftsbereiche von Oerlikon Textile werden direkt dem COO der Gruppe, Thomas Babacan, unterstellt.

Bei der Business Unit Graziano im Segment Oerlikon Drive Systems ist ein Massnahmenpaket zur Steigerung der betrieblichen Flexibilität und Profitabilität kurz vor Einführung. In allen anderen Segmenten wurden umfangreiche Sofortmassnahmeprogramme auf die regionalen und sektorspezifischen Bedürfnisse abgestimmt. Seit Anfang des zweiten Halbjahres 2008 haben die Oerlikon Segmente Temporärverträge mit internen und externen Arbeitnehmern quasi nicht mehr verlängert. Als sich die Lage auf den Endverbrauchermärkten weiter verschlechterte, nutzte Oerlikon Kurzarbeit zur Anpassung der Kapazitäten, um qualifizierte Mitarbeitende möglichst im Unternehmen zu halten. Heute befinden sich rund 3 800 Arbeitnehmer oder 20 Prozent der Belegschaft in Kurzarbeit. Nur wenn nicht anders möglich, kommt es zu permanenter Reduktion der Belegschaft. Über alle Segmente gerechnet, wurden seit Juli 2008 insgesamt über 1 000 permanente Stellen abgebaut (basierend auf den fortgeführten Aktivitäten). Bei Oerlikon Balzers werden weltweit weitere 250 Stellen abgebaut (davon 31 am Hauptsitz in Balzers, Liechtenstein). Oerlikon Solar wird die Belegschaft um 60 Stellen reduzieren. Weitere Massnahmen umfassen unter anderem vorübergehende Werksschliessungen, Lohnstopps, verstärkte Verkaufsanstrengungen sowie ein Sparprogramm zur Reduktion der Verkaufs-, Administrations- und allgemeinen Aufwendungen (SG&A).

Über die nächsten zwei Jahre werden zusätzliche Restrukturierungskosten in Höhe von insgesamt CHF 100 Mio. erwartet, von denen etwa zwei Drittel auf Oerlikon Textile entfallen.

Eine zweite Stossrichtung fokussiert sich auf Cash-Flow und die Refinanzierung. Das Ziel des Unternehmens ist, während der Restrukturierung und der Fokussierung des Portfolios ausreichende Liquidität zur Verfügung zu stellen und die Bilanz zu stärken. Unter Beibehaltung des Konsortialkredits zielt Oerlikon auf eine Stärkung der Kapitalbasis. Zu diesem Zweck haben Konzernleitung und Verwaltungsrat Massnahmen eingeleitet und sind im Begriff, verschiedene weitere Optionen zu prüfen, die zusätzlich zur Steigerung der betrieblichen Effizienz eine Neufassung des Konsortialkredits einschliessen sowie Verkäufe von Aktiven oder auch Kapitalmarkttransaktionen für den Konzern oder für einzelne Geschäftseinheiten beinhalten könnten. Konzernleitung und Verwaltungsrat sind zuversichtlich, dass diese Massnahmen erfolgreich sein werden.

Die dritte Hauptstossrichtung zielt auf Innovation und Portfolio. Erste Priorität ist, die Oerlikon Gruppe gezielt auf ihr Kerngeschäft rund um Schnittstellen und Oberflächentechnologie auszurichten. Das Unternehmen hat deshalb verschiedene nicht zum Kerngeschäft gehörende Aktivitäten erfolgreich veräussert. Mit dem Verkauf von Esec, grossen Teilen von Oerlikon Optics sowie des Blu-ray-Linien, des Magnetic-Media- und des Etch-Geschäfts wurden hierbei bereits bedeutende Fortschritte erzielt. Damit hat die Oerlikon Gruppe ihre Gesamtexposition gegenüber der Halbleiterindustrie auf weniger als 3 Prozent des Umsatzes reduziert. Weitere Verkäufe werden geprüft. Das Unternehmen wird weitere Verkäufe tätigen, falls gewährleistet ist, dass diese den Unternehmenswert steigern und Kunden- sowie Mitarbeiterinteressen angemessen berücksichtigt werden.

Die Konzernleitung erachtet die allgemeine Visibilität hinsichtlich Markttrends und Entwicklungen bei den Kunden als sehr gering, insbesondere im zweiten Halbjahr 2009. Das Unternehmen erweitert deshalb seine Berichts- und Kontrollsysteme, damit das Management falls nötig rasch weitere Mass-nahmen ergreifen kann. Im aktuellen Marktumfeld werden konkrete Prognosen als nicht zielführend erachtet und könnten sogar irreführend sein. Das Unternehmen verzichtet deshalb zum heutigen Zeitpunkt auf detaillierte Ergebnisprognosen. CEO Dr. Uwe Krüger: „Insgesamt erwarten wir, dass anhaltende Marktschwächen 2009 zu einem weiteren Umsatzrückgang führen, insbesondere im ersten Halbjahr. Das Unternehmen erwartet 2009 keinen Konzerngewinn, rechnet aber damit, die Gewinnschwelle auf Stufe Konzerngewinn im Jahr 2010 zu überschreiten, wenn die Massnahmen zur Restrukturierung, Refinanzierung und Fokussierung des Portfolios vollständig wirksam sein werden.

Sämtliche Geschäftseinheiten haben Vorkehrungen getroffen, um sich an rückläufige Märkte anzupassen und konzentrieren sich auf Profitabilität und Cash Flow. In diesen anspruchsvollen Zeiten ist es von äusserster Wichtigkeit, die stabile und solide finanzielle Basis von Oerlikon sicherzustellen. „Die 2008 eingeleiteten Massnahmen des Unternehmens reflektieren diese Priorität und auch 2009 setzen wir alles daran, die finanzielle Stabilität zu gewährleisten", ergänzt Dr. Krüger. „Mit einer vervollständigten und hoch engagierten Konzernleitung, einem erfahrenen Verwaltungsrat sowie einem Rückhalt gebenden, strategischen Investor blicken wir mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft", sagt Dr. Krüger.


Diese Medieninformation basiert auf der Situation, wie sie sich heute präsentiert. Unvorhersehbare Risiken und Faktoren können Abweichungen von den gemachten Aussagen zur Folge haben. Die angegebenen Werte kön-nen aufgrund von Rundungsdifferenzen abweichen.

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