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Paolo Mantelli Sinnliches Ganzkörpererlebnis

Für Paolo Mantelli ist ein Auto nicht einfach ein praktisches Fortbewegungsmittel mit vier Rädern. Für den 44-Jährigen ist ein Auto ein sinnliches Ganzkörpererlebnis.

Paolo MantelliDie herrlichen Beschleunigungskräfte, das entfesselte Aufheulen eines Zwölfzylinders, glatte, glänzende Lackschichten, die kühlfeste Haptik eines ledernen Lenkrads, der stechende Geruch von Öl und Benzin – das belebt seine Sinne. Das weckt seine Leidenschaft. Paolo Mantelli lebt Auto. Seine DNA ist aus Kohlenstoffmolekülen gewebt. «Mein Faible für Autos hat im Bubenalter begonnen. Mir war schon als Jugendlicher klar, in dieser Branche arbeiten zu wollen», sagt der sympathische und aufgeschlossene Italiener. Das Maschinenbaustudium an der polytechnischen Universität Turin mit dem Abschluss des Doktors 1994 bereitete den Weg. Es folgte ein kurzes Gastspiel von zwei Jahren bei dem Zulieferer Delphi. Dann hatte der Himmel ein Erbarmen und Paolo konnte 1996 bei Oerlikon Graziano anheuern. Graziano war damals im Begriff, sich vom Komponentenhersteller zum Systemlieferanten zu wandeln und in der attraktiven Sportwagennische Fuss zu fassen. «Ich war dabei, als Graziano 1996 den ersten Auftrag von Ferrari für den Bau eines Getriebes erhielt», erinnert sich Paolo noch heute mit glänzenden Augen. Er hat die Chance, die ihm das Schicksal zugespielt hat, zur Gänze genutzt. Mit seiner Leidenschaft, seinem Engagement und Wissen hat er wesentlich dazu beigetragen, dass Oerlikon Graziano seit diesen Anfängen zu einem der gefragtesten Lieferanten für Getriebesysteme der automobilen Spitzenklasse aufgestiegen ist. Der Marktanteil im Bereich Sportwagen liegt heute bei 50 Prozent, Graziano beliefert neben Ferrari auch Maserati, Bugatti, Audi und andere. Mit dem neuen Lamborghini-Modell Aventador stellt Mantelli mit seinem Team einen neuen Weltrekord auf: Das Getriebe von Oerlikon Graziano erreicht eine Schaltgeschwindigkeit von 50 Millisekunden. Seit 2006 leitet Mantelli die Geschäftseinheit «Automotive Transmission».

Sein Erfolgsgeheimnis ist die Nähe zu seinen Kunden. «Wir haben es geschafft, uns von einem Lieferanten zu einem geschätzten Entwicklungspartner zu entwicklen», so Mantelli. Wie bei dem neuen McLaren MP4-12C, für den Graziano ein einzigartiges Doppelkupplungsgetriebe massgeschneidert hat. Dieses direkte Ohr am Markt führte dazu, dass Paolo mit seinem Team schon vor drei Jahren begann, systematisch den Markt für Elektrofahrzeuge anzugehen. Mit einem patentierten Zweiganggetriebe hat Graziano auch hier bereits Pionierarbeit geleistet. Audi stellt in diesen Tagen ein neues Elektrofahrzeug vor, und das Getriebe stammt aus Mantellis Einheit. Wer den sympathischen Liebhaber schneller Autos kennt, wird eine Wette darauf eingehen, dass Mantelli bei den Testfahrten mit Elektrofahrzeugen heimlich einen Benzinkanister und eine Soundanlage zum Abspielen von Motorenlärm dabeihaben wird.