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Brief des Verwaltungsratspräsidenten und des CEO

Brief des Verwaltungsratspräsidenten und des CEO

Sehr geehrte Aktionärin, sehr geehrter Aktionär

In einem schwierigen Jahr stellt sich für ein Unternehmen immer auch die Frage, ob es ein produktives Jahr sein kann. Für 2020 ist die Antwort auf diese Frage bei Oerlikon ein deutliches Ja.

Um 2020 zu beurteilen, muss man mit der COVID-19-Pandemie beginnen, und der Unsicherheit, die sie ganzen Industriezweigen, den Unternehmen auf der ganzen Welt und natürlich den Menschen gebracht hat.

Die Pandemie hat unsere Endmärkte, insbesondere die Luft- und Raumfahrt, stark beeinträchtigt. Wir handelten schnell und ergriffen Kostensenkungsmassnahmen, um die Auswirkungen der Pandemie zu mildern und unsere Profitabilität zu schützen. Tatsächlich waren es Globalisierung und Diversifizierung, dank derer wir die Pandemie bewältigen konnten. Sogar während der Lockdowns konnten wir unsere Lieferkette aufrechterhalten, und unsere Erfahrungen belegen, wie widerstandsfähig gut vernetzte, globale Wertschöpfungsketten sind.

Wir haben den Erfolg unserer Strategie und unseres Geschäftsmodells unter Beweis gestellt und in einer extrem schwierigen Marktsituation ein stabiles Ergebnis erwirtschaftet.

Darüber hinaus haben wir dieses Jahr unseren ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Nachhaltigkeit war schon immer ein integraler Bestandteil von Oerlikon, und nun präsentieren wir Ihnen und unseren anderen Stakeholdern öffentlich unsere Referenzen und unser zukünftiges Engagement in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance.

Globale Kapazitäten, überregional verlässlich

Dank unseres global aufgestellten Produktions- und Dienstleistungsnetzes konnten wir Produktionsunterbrechungen und Lieferverzögerungen minimieren bzw. ganz verhindern. Auch unsere Belegschaft mit ihren Kompetenzen ist global aufgestellt; so konnten wir unsere Kunden selbst dann noch mit Beschichtungs-, Inbetriebnahme-, Instandhaltungs- und Supportdienstleistungen unterstützen, als Reisebeschränkungen verhängt wurden.

Zudem profitierten wir davon, dass Oerlikon relativ unabhängig ist von einer bestimmten Region oder Branche. Die wirtschaftliche Erholung erfolgte je nach Land und Industriezweig unterschiedlich schnell, und so wurde unser Ergebnis immer wieder von Aufschwüngen in der einen oder anderen Region oder Branche positiv beeinflusst. Beispielsweise konnten wir Umsatz und Aufträge bei Chemiefaser-Anlagen auf hohem Niveau halten, weil sich die Wirtschaft in China zügig erholte. Auch der Aufschwung der Automobilindustrie, der schneller erfolgte als erwartet, trug dazu bei, pandemiebedingte Schwächen in Branchen wie zum Beispiel der Luftfahrtindustrie zu kompensieren.

Diese Beispiele zeigen, wie unser diversifiziertes Portfolio und die globale Präsenz mit 179 Standorten in 37 Ländern das Konzernergebnis 2020 ebenso wie die langfristigen Profitabilitäts- und Wachstumsaussichten stärken.

Finanzielle Entwicklung 2020

In Anbetracht der schwierigen Marktsituation war 2020 ein erfolgreiches Jahr für Oerlikon. Manmade Fibers erwies sich als äusserst widerstandsfähig und lieferte stabile Ergebnisse, während Surface Solutions gerade in Branchen wie der Luft- und Raumfahrt die negativen Auswirkungen der COVID-19-Krise zu spüren bekam.

Zu Beginn des Jahres konnten wir mit drei der weltweit grössten Chemiefaserproduzenten Vereinbarungen für Filamentanlagen abschliessen. Die drei Projekte haben einen Gesamtwert von über CHF 600 Mio. Die Filamentmärkte blieben auch den Rest des Jahres trotz der Pandemie stabil.

Angesichts der beispiellosen Nachfrage nach Schutzkleidung und Masken im Jahr 2020 erwies sich unser Vliesstoff-Geschäft als verstecktes Kleinod. Etliche Länder stufen diese Artikel nunmehr als kritische medizinische Versorgungsgüter ein und wollen ihren diesbezüglichen Bedarf weitgehend selbst erfüllen. Daher erwarten wir auch in den kommenden Quartalen eine steigende Nachfrage nach Vliesstofflösungen. Um dieses Wachstum zu unterstützen, hat Oerlikon die Produktionskapazitäten 2020 um das zehnfache hochgefahren.

Im Gegensatz dazu wurde die Entwicklung der Surface Solutions Division von schwachen Märkten belastet. Positiv anzumerken ist die beginnende Erholung der Automobil- und der Werkzeugindustrie in der zweiten Hälfte des Jahres, die unerwartet schnell Fahrt aufnahm. 2020 mussten wir ein umfassendes Restrukturierungsprogramm durchführen. Wir taten dies schnell und entschlossen, um unser Unternehmen und seine Profitabilität zu schützen.

Der Bestellungseingang des Konzerns belief sich auf CHF 2,2 Mrd., was einem Rückgang von 13,5% gegenüber dem Vorjahr entspricht (2019: CHF 2,6 Mrd.); der Konzernumsatz sank um 12,9% auf CHF 2,3 Mrd. (2019: CHF 2,6 Mrd.). Das Konzern-EBITDA verringerte sich auf CHF 320 Mio., was einer Marge von 14,2% entspricht (EBITDA-Marge 2019: 15,1%). Unangepasst lag die EBITDA-Marge bei 12,7%. Im Vergleich zu 2019 war das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten um 65,5% geringer und lag bei CHF 38 Mio. (2019: CHF 110 Mio.). Der Konzerngewinn 2020 erhöhte sich auf CHF 38 Mio. (2019: CHF -66 Mio.). Folglich betrug der Gewinn je Aktie CHF 0.11. Mit einer Eigenkapitalquote von 40% blieb die Finanzlage des Konzerns auch im Jahr 2020 weiterhin stark.

Strategie und Umsetzung

Der Erfolg der vergangenen sechs Jahre beruht auf dem starken Fundament von Oerlikons Markt- und Technologieführerschaft, auf nachhaltigen Innovationen und unserer erwiesenen Fähigkeit, ein über der Entwicklung des BIP liegendes Wachstum zu generieren. 

Auch 2020 haben wir, trotz herausfordernder Marktlage, unsere Strategie weiter konsequent umgesetzt. Der Schwerpunkt lag darauf, unsere Profitabilität zu schützen. Sobald die Auswirkungen der Pandemie erkennbar waren, trieben wir die Umsetzung der Umstrukturierungs- und Kostensenkungsmassnahmen im Bereich Surface Solutions noch schneller voran.

Wir optimierten die unterstützenden Funktionen und unsere globale Präsenz, nutzten Synergien in der Beschaffung und bei den Anlagengeschäften und stellten die additive Fertigung neu auf. Ermessensausgaben und Investitionskosten wurden systematisch und diszipliniert gesenkt, und Kurzarbeit eingeführt. 

Sämtliche Massnahmen konnten früher als geplant umgesetzt werden und ermöglichten es, die Betriebs- und Investitionskosten zu senken. Darüber hinaus erwarten wir auf das Jahr umgerechnete Einsparungen in Höhe von rund CHF 70 Mio. Damit sind wir gut aufgestellt, um unsere Profitabilität zu steigern, sobald sich die Konjunktur erholt.

Wir haben die Mehrheitsbeteiligung an unserem Joint Venture Teknoweb in Italien erworben, um unser Vliesstoffportfolio zu stärken, und gegen Ende 2020 folgte dann die Übernahme des Geschäftsbereichs für thermische Isolationsmaterialien von Crosslink in Deutschland. Das erweitert unser Angebot um Wärmedämmmaterialien für sogenannte batterieelektrische Fahrzeuge, das sind vollelektrische Fahrzeuge mit wiederaufladbaren Batterien und ohne Benzinmotor.

Unser erster Nachhaltigkeitsbericht

Nachhaltige Innovation ist ein entscheidendes Merkmal von Oerlikon, und aus unserer Strategie und unseren Aktivitäten nicht wegzudenken.

Jetzt schliessen wir uns auch offiziell jenen an, die sich proaktiv für Nachhaltigkeit einsetzen und andere inspirieren, das Gleiche zu tun. Wir wollen uns ausdrücklich zu unserer Verantwortung bekennen, die globalen Ökosysteme zu erhalten und Nachhaltigkeit zu fördern. Dieses uneingeschränkte Versprechen geben wir Ihnen in eigenem Namen, im Namen unseres Verwaltungsrats und aller assoziierten Gesellschaften – wir alle fühlen uns dieser Mission verpflichtet.

Auf Grundlage einer Wesentlichkeitsanalyse haben wir acht der 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ausgewählt, bei denen wir am meisten für unsere Interessengruppen erreichen können. Wir haben uns in Bereichen, die einen grossen Bezug zu unseren Tätigkeiten, Grundsätzen und Kompetenzen aufweisen, eine Reihe von Zielen gesetzt, die wir bis 2030 in Sachen Umwelt, Soziales und Governance erreichen wollen. Als Verwal­terin und Verfechterin einer nachhaltigeren Welt lädt Oerlikon Sie und alle Interessengruppen ein, sich uns im Rahmen dieses Vorhabens anzuschliessen.

Digitalisierung

Oerlikon hat sich der Förderung von Digitalisierung und KI verschrieben. Seit der Vorstellung unserer Digital Roadmap im Jahr 2018 wurden konzernweit mehr als 60 digitale Projekte umgesetzt. Die Digitalisierung hält zunehmend auch Einzug in das Tagesgeschäft bei Oerlikon und bestimmt, wie wir zusammenarbeiten, kommunizieren, neue Mitarbeitende rekrutieren, unternehmensweite Synergien schaffen und mit unseren Kunden interagieren.

In unserem Digital Hub in München arbeiten wir an der Entwicklung und Umsetzung innovativer digitaler Lösungen und daran, herausragende digitale Services bereitzustellen für die Schwerpunktbereiche Industrielles Internet der Dinge, Automatisierung, Digitaler Vertrieb und Analytics. Der Digital Hub hat dabei neue, innovative Ansätze für erfolgreiche Transformationen und eine vorausschauende Entwicklung generiert. 

Arbeitgeberin mit Verantwortung

Die Mitarbeitenden sind Oerlikons wertvollstes Kapital. Deswegen zählten 2020 die Sicherheit und das Wohlergehen aller Teammitglieder zu unseren obersten Prioritäten. Sobald die weltweite Bedrohung durch die COVID-19-Pandemie offensichtlich wurde, trafen wir unverzüglich Massnahmen zu ihrem Schutz. So wurden Sicherheitsrichtlinien erstellt und Schutzmassnahmen ergriffen, etwa die regelmässige Desinfektion von Büros und Arbeitsplätzen.

Um unsere Belegschaft noch besser zu schützen, haben wir neuartige Sicherheitsgeräte des Münchner Start-ups Kinexon, so genannte SafeTags, eingeführt. Dabei handelt es sich um tragbare Sensoren, die den Abstand zwischen Mitarbeitenden bis auf den Zenti­meter genau messen und ein akustisches Warnsignal ausgeben, wenn dieser Messwert eine bestimmte Zeit lang unter dem definierten Mindestabstand liegt. Im Falle einer Infektion können Kontakte dank Softwareunterstützung präzise nachverfolgt werden. 

Nach erfolgreichen Pilotprojekten an einigen Standorten in Deutschland und der Schweiz wurden mehr als 7 500 SafeTags in Europa und den USA verteilt. Da Kinexon nicht in allen Ländern verfügbar ist, haben wir Anfang Januar 2021 in Russland, Südamerika, Kanada und Asien (ausser China) eine alternative, aber ähnliche Technologie eingeführt, die als SpaceBands bekannt ist. Mehr als 2 000 SpaceBands werden an unseren Standorten in diesen Ländern verfügbar sein.

Weitere Stärkung des operativen Geschäfts 

Wie schon im 4. Quartal angekündigt, haben wir mit der Ernennung von Dr. Markus Tacke zum CEO der Surface Solutions Division unsere operativen Geschäfte und die Kundenorientierung weiter gestärkt. Darüber hinaus haben wir die CEOs beider Divisionen, Markus Tacke und Georg Stausberg, in die Konzernleitung berufen. Beide verfügen über umfassende Branchenerfahrung und haben bereits in der Vergangenheit Industrieunternehmen bei ihrer erfolgreichen Transformation begleitet, um profitables Wachstum zu generieren.

Aktienrückkauf und Dividenden

Im Jahr 2019 beschloss der Oerlikon Verwaltungsrat, über einen Zeitraum von bis zu 36 Monaten 10% des im Firmenregister verzeichneten Aktienkapitals zurückzukaufen. Dieser Rückkauf setzte sich auch im Jahr 2020 fort. Die zurückgekauften Wertpapiere sollen zur Finanzierung anorganischen Wachstums sowie des weltweiten Long-Term-Incentive-Programms für die Mitarbeitenden eingesetzt werden.

Im Rahmen unserer wettbewerbsorientierten Investitionsstrategie haben wir 2020 einen Teil unserer Wertschöpfung in Form von Dividenden an unsere Aktionäre ausgeschüttet. An der Generalversammlung wird der Verwaltungsrat für das Jahr 2021 eine Ausschüttung der Basisdividende auf demselben Niveau wie in den vergangenen drei Jahren vorschlagen, also CHF 0.35 pro Aktie.

Zuversichtlich in die Zukunft

Mit dieser Bilanz, die den Erfolg unserer Strategie bestätigt, und mit unserem diversifizierten Portfolio, unserer globalen Präsenz und unserer Marktposition, die uns durch dieses schwierige Jahr geholfen haben, ist Oerlikon bestens aufgestellt für eine erfolgreiche Zukunft und weiteres Wachstum. Wir verfügen über die herausragenden, nachhaltigen Technologien, aussergewöhnlichen Talente und starken Kundenbeziehungen, die es braucht, um vor dem Hintergrund der weltweiten wirtschaftlichen Erholung Geschäftschancen wahrzunehmen.

Die strukturellen Programme, die wir 2020 eingeführt haben, werden uns dabei helfen, mittel- und langfristig die operative Profitabiltät zu verbessern, und die EBITDA-Marge auf 16% bis 18% zu bringen. Unter der Voraussetzung, dass COVID-19 keine weiteren grossen Störungen verursacht, und sich die Märkte im Zuge erfolgreicher Impfprogramme gut entwickeln, rechnet Oerlikon für 2021 mit einem Umsatz zwischen CHF 2,35 Mrd. und CHF 2,45 Mrd. und einer operativen EBITDA-Marge von 15,5% bis 16,0%.

Wir möchten uns persönlich bei unseren Mitarbeitenden, unserem Managementteam und unseren Kollegenim Verwaltungsrat für ihr Engagement und ihren Einsatz im Jahr 2020 bedanken.

Ein weiteres Dankeschön geht an unsere Partner und Kunden für ihr Vertrauen in unsere Lösungen und Technologien und an Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, für Ihre uneingeschränkte Unterstützung und Ihr Vertrauen in Oerlikon.

2. März 2021

Beste Grüsse

Prof. Dr. Michael Süss
Präsident des Verwaltungsrats

Dr. Roland Fischer
Chief Executive Officer

 

 
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